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Was verbindet Autos und Architektur?

Ein Haus, ein Auto, eine Leidenschaft: Für den Stuttgarter Architekten Zeljko Vila gehören Gebäude und Fahrzeuge einfach zusammen. Und genau deshalb hat er irgendwann auch damit begonnen, seine Interessen über die Fotografie miteinander zu verbinden. Ein Gespräch über gutes Design, was Architektur und Autos gemeinsam haben – und warum ein 911 ein guter Arbeitsplatz ist.

Text: Jack Weil Foto: Asquared 09.12.2019 5 min

Zeljko, stell Dich doch mal kurz unserer Community vor.

Hallo liebe Community, ich heiße Zeljko Vila (ähnlich wie Scheljko), bin 31 Jahre alt und gebürtiger Kroate. Ich arbeite in Stuttgart als Architekt und bin auch passionierter Hobbyfotograf.

Erzähl uns doch mal etwas über Dein Projekt »Asquared« …

»Asquared« ist A im Quadrat – oder auch A hoch 2. Es setzt sich aus der Symbiose von Architektur & Automobilen zusammen. Als Architekt fasziniert mich natürlich das städtische Gefüge – manchmal auch nur ein Haus. In Verbindung mit einem Automobil ist das Ganze aber noch besser. Ich habe immer gerne Autos fotografiert, egal ob mit dem Handy oder meiner ersten Spiegelreflexkamera. Irgendwann fand ich es aber langweilig, die Fahrzeuge normal positioniert zu fotografieren. Dadurch entstanden dann erste geplante Shootings, tolle Momente und auch neue Bekanntschaften.

Was zeichnet für Dich gute Architektur aus?

Gute Architektur liegt immer im Auge des Betrachters. Architektur ist Kunst, und Kunst ist subjektiv. Nur wenn wir Menschen eine temporäre Bauweise größtenteils als gut oder schön empfinden, wird diese Zeitspanne zu einer Epoche zusammengefasst. Dadurch bildet sich Architektur immer wieder neu und verändert sich von Tag zu Tag. Heutzutage prägt vor allem das schlichte und minimalistische Bauen das Bild. Denken wir aber an Epochen wie den Barock zurück – heute wäre es unvorstellbar, so etwas zu bauen. Gute Architektur vermittelt auf eine behutsame Art und Weise ein Gefühl von Behaglichkeit und hat eine emotionale Qualität. Und sie steht im Kontext. Noch bessere Architektur dagegen steht skulptural da und wird dann oft als nicht gut betitelt, weil sie »aus der Reihe« tanzt.

Und gutes Automobildesign?

Gutes Automobildesign muss einen Menschen auf höchster emotionaler Ebene erreichen und gleichzeitig ein Gefühl von Behaglichkeit erzeugen. Nur so sind wir wohlgestimmt, wenn wir einsteigen oder beim Aussteigen einen Blick nach hinten werfen.

Warum passen Autos und Architektur so gut zusammen?

Wie ich erwähnt habe, taucht da oft das Wort Behaglichkeit auf. Wir wollen uns geschützt fühlen, egal ob im Haus oder im Auto. Außerdem wollen wir ein schönes Haus und ein noch schöneres Auto davor. Beides erfüllt uns schließlich mit Stolz und Leidenschaft. Passionierte Autoliebhaber wie wir werden immer den Wunsch haben, ein schönes Fahrzeug vor unserer Villa stehen zu haben. Und in der Garage noch eins. Oder auch zwei!

Gibt es Parallelen?

Gutes Automobildesign ist in meinen Augen gleichwertig zu guter Architektur. Wir würden zum Beispiel alle einen Golf als »gut« bezeichnen. Er kommt bei der Masse an, hat kein allzu prägendes und eigenständiges Design und siegt im Preis-Leistungs-Verhältnis. Genau gleich verhalten sich neue Wohnanlagen wie das Rosenberg am Berliner Platz in Stuttgart – um dem Beispiel ein Gesicht zu geben. Es wirkt modern, nicht zu eigenständig, könnte in dem Kontext so überall stehen und kommt dennoch gut an.

Welchen Stellenwert hat gutes Design in Deinem Alltag?

Meiner Meinung nach macht gutes Design das Leben erst aus. Darin unterscheiden wir uns von allen anderen Spezies. Mir macht es besonders viel Spaß, durch Stuttgart zu gehen und nach oben zu blicken, zu sehen, wie wertvoll und detailreich Fassaden sein können – aber auch die Fahrzeuge, die davor stehen. Ich meine, wir leben in der Stadt, Autos prägen das Stadtbild.

Der Porsche 911 wird von vielen Architekten und Designern gefahren. Wie erklärst Du Dir die Beliebtheit dieses Modells?

Architekten und Ingenieure sind geprägt durch geometrische Formen, physikalische Prozesse und die daraus entstehenden Möglichkeiten. Dabei geht es vor allem auch um Nachhaltigkeit. Nachhaltiges Design dagegen, so hat uns die Zeit gelehrt, kennt weder Ecken noch Kanten – dabei kommt wieder das Thema Behaglichkeit auf. Was unterscheidet einen Porsche von einem Mercedes? Schlichtweg die weiche Form und die runden Scheinwerfer. Kreisförmig, nicht eckig, demnach zeitlos und nachhaltig, aber auch von nahezu allen Menschen als schön interpretiert. Studien beweisen, dass wir in kreisförmigen Räumen deutlich besser leben würden als uns in einem orthogonalen Gefüge einzupferchen. Allerdings ist es deutlich praktischer, eckige Räume zu möblieren und mit Fenstern zu versehen. Hier kämpft nicht Goliath gegen David, sondern Gaudi gegen Darwin.