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Was man so braucht

Egal was Möbelhäuser suggerieren – Interieur ist selten auf Männer zugeschnitten. Was vielleicht dran liegen mag, dass Einrichten ein Prozess ist. Oder ist alles nur eine Frage des guten Stils? In jedem Fall findet man beides in einem Loft in Berlin.

Text: Wiebke Brauer Foto: Fabrik 23 26.02.2020 3 min

Vielleicht ist der Baumarkt das Möbelhaus des Mannes. Was man an dem Slogan »Mach es zu Deinem Projekt« im Kontrast zu »Entdecke die Möglichkeiten« festmachen könnte. Oder an der Tatsache, dass sich Männer selten mit der Notwendigkeit identifizieren, dass Bücher nun mal in ein Regal gehören. Sicherlich ist ein Regal funktional und klar wird Männern immer eine Affinität zu Funktionalität unterstellt. Richtig ist aber, dass für einen Mann Funktionalität auch immer einen Anspruch hat, der weniger auf das Können einer Sache abzielt, sondern darauf, dass ein Gefühl von »Ja, dieses Möbelstück ist so wie ich« vorherrscht. Demnach muss ein Mann sich in den Dingen wiederfinden. Was, nebenbei bemerkt, eine Frau niemals über einen Blumenstrauß sagen würde, den sie in einer Vase arrangiert.

Wahrscheinlich ist das ein Grund, warum die meisten Männer im Möbelhaus nicht glücklich werden, in diesem Loft in Berlin aber schon. Philipp Gertner heißt der Mann, der es eingerichtet hat, man kann es als Filmlocation oder Residenz mieten. Auf die Frage, ob es sich bei dem Loft um eine typische Männerbude handelt, sagt Gertner: »Lustig, das höre ich öfter. Vielleicht liegt es daran, dass die Materialien eine gewisse Rauheit haben: grob bearbeitetes Altholz, Betonoberflächen. Die Gegenstände darin sind schwere Waagen und Friseuroder Zahnarztsessel, die Farbgebung vorwiegend grau-braun. Dazu kommt natürlich die Patina. Decken, die an vielen Stellen zerfressen aussehen, hier und da ein Ölfleck – und es gibt auch nur einen kleinen Teppich.«

Dass Gertner einen alten Geländewagen fährt, wundert nicht, zumal man den auch in das Loft stellen könnte, ohne dass es weiter auffiele. Was man allerdings auch hinzufügen muss: Philipp Gertners Freundin und die gemeinsame einjährige Tochter lieben das Loft genauso wie jeder Kerl, der dort hineinmarschiert. Womit wir an dem Punkt wären, dass alles, was man zum Wohnen braucht, guter Geschmack ist. So ganz Gender-neutral.