Volles Rööööööhrl: Walter Röhrl testet den Taycan

Volles Rööööööhrl: Walter Röhrl testet den Taycan

Wenn es um die markigsten PS-Sprüche geht, dann elektrisiert Walter Röhrl seit jeher mit bildhaften Erklärungen wie »Übersteuern ist, wenn der Beifahrer Angst hat, Untersteuern, wenn ich Angst habe.« Aber wie sieht das aus, wenn es um die Elektromobilität geht? Wir machen den Röhrl-Test.

Text: Alexander Morath Foto: Porsche 4 min

Wo ist Walter Röhrl? Im Grunde genommen sind die Ingenieure im Porsche Entwicklungszentrum ja darauf spezialisiert, jede noch so verzwickte Frage in passende Antworten zu übersetzen. Doch an diesem Tag in Weissach muss dann selbst die »Denkfabrik« passen. Denn kaum hatten sie der Rallyelegende den Schlüssel für eine Probefahrt im neuen Taycan überreicht, ward der Walter nicht mehr gesehen. Auch weg: der Elektro-Porsche.

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Zurück bleibt ein leicht nervöses, weil um Anschluss bemühtes Kamerateam sowie diese eine Frage, die vor allem den verantwortlichen Fahrzeugentwicklern auf der Zunge brennt: Wie wird der vierfache Monte Carlo-Sieger und zweimalige Rallye-Weltmeister Walter Röhrl, der für Porsche als Repräsentant, Berater und Entwicklungsfahrer tätig ist, den ersten rein elektrisch angetriebenen Sportwagen aus Zuffenhausen bewerten?

Immerhin sagte »der Querlenker der Nation« im Interview mit der ramp einmal, dass es kein anderes Auto gebe, das die Kraft so direkt auf den Asphalt bringe wie ein 911er. Jetzt also der Taycan, was übersetzt so viel heißt wie »lebhaftes, junges Pferd«. Zumindest findet sich darin schon mal ein Teil des Wappens wieder. Aber wie sieht es mit etwas viel Essenziellerem aus: der Porsche DNA? Also so Dingen wie Performance, Fahrverhalten, Design – aber auch Sound?

Einige Kilometer später ist Walter zurück – und gibt die Antwort dann selbst.

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Für Röhrl ist ein Auto erst dann schnell genug, wenn man morgens davorsteht und Angst hat, es aufzuschließen. Ob er unter dieser Voraussetzung jemals wieder in den Taycan einsteigen wird? Nach seiner Probefahrt jedenfalls konstatiert er: »Es ist ein Wahnsinn, so eine Performance hatte ich in all meinen Rallye-Jahren nicht. Der Taycan geht so gut vorwärts, es ist wirklich toll.«

Walter Röhrl hatte es schon während seiner aktiven Zeit im Rallyesport vermutet: Ein Auto mit zwei angetriebenen Rädern ist nur eine Notlösung. Der Taycan setzt daher auf einen bedarfsgesteuerten Allradantrieb mit Torque Vectoring und zwei Elektromotoren mit insgesamt mehr als 600 PS. Röhrls Resümee: »Diese unmittelbare Verfügbarkeit, diese spontane Reaktion, das macht jedes Mal wieder große Freude.«

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»Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln – ein Auto braucht Liebe.« O-Ton Röhrl. Aber gibt so ein Auto diese Liebe auch zurück? Für Porsche Fahrer ist die Antwort ein klares »Ja«. Zumindest bei den bisherigen Modellen. Was ist mit dem E-Porsche? Röhrl gibt Entwarnung: »Wenn ich mit verbundenen Augen fahren müsste, dann wüsste ich trotzdem sofort, dass ich in einem Porsche sitze. Die Gewichtung und das Gefühl der Lenkung, ja selbst die Bremse, die ja durch die Kombination von Rekuperation und herkömmlicher Bremse viel schwieriger abzustimmen ist, ist auf den Punkt.«

Dann ist da noch die Sache mit dem Sound, durch den – um im Bild zu bleiben – schon so manche Beziehung in die Brüche ging. Stichwort: Wahrnehmungsstörung. Aber alles gut, sagt Walter: »Ich hätte nie gedacht, dass das Fehlen jedes Antriebsgeräusches überhaupt keinen Verlust bedeutet. Im Gegenteil, die Ruhe hier im Taycan ist wirklich sehr angenehm und auf seine ganz eigene Art ein Erlebnis.«

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