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Treffen der Giganten

Ende der 60er-Jahre entstehen in Deutschland und England zwei Maschinen mit revolutionärer Technik. Warum? Weil es verdammt noch mal an der Zeit war, die Grenzen des menschlich und technisch Machbaren ein Stück weiter in Richtung Zukunft zu verschieben.

Text: Maximilian Eder Foto: Porsche 11.04.2019 3 min

Rennwagen müssen vor allem zwei Dinge: schnell sein und Rennen gewinnen. Ihr Aussehen? Zweitrangig. Im Zweifelsfall macht Erfolg hier sexy. Die Designer haben dafür einen Fachbegriff: »Form follows function«. Spötter würden dazu sagen: Der Zweck heiligt das Aussehen. Aber so schlimm ist es dann doch nicht.

In dieser Hinsicht haben Rennwagen übrigens einiges gemeinsam mit Flugzeugen. Hier ist das Prinzip »Form follows function« sogar unbedingte Voraussetzung: Ohne ein bestimmtes Design heben sie halt nun mal nicht ab. Was vielleicht erklärt, dass die Dinger alle so gleich aussehen. Kann man natürlich auch von manchen Rennwagen behaupten.

Aber es gibt Unterschiede. Die Concorde zum Beispiel. Sie ähnelt deutlich mehr einem Kampfjet als dem gemeinen Ferienflieger nach Mallorca. Markant ihre Nase. Kann man schön finden, muss man aber nicht. Fakt ist: Hätten die Ingenieure die Nase in gerader Linie zum Rumpf fortgesetzt, hätte kein Pilot der Welt den Überschalljet landen können – schlicht, weil er die Landebahn nicht gesehen hätte. Was immer man auch von ihrer Nase hält: 2.405 km/h Maximalgeschwindigkeit und ein Rekordflug in 2 Stunden, 52 Minuten und 59 Sekunden von New York nach London verleihen dem Überschalljet in jedem Fall den gewissen Sex-Appeal.

Davon kann auch der Porsche 917 ein Lied durch seine luftgekühlten zwölf Zylinder pfeifen. Als Bestie mit Langheck auf die Rennstrecken dieser Welt losgelassen – »das Auto ist zum Fürchten«, klagte seinerzeit der Rennfahrer Rolf Stommelen –, gelang es den Ingenieuren um Ferdinand Piëch, die 520 PS so zu bändigen, dass das Fahrzeug zur Legende wurde. Der »Weiße Riese« holt 1970 und 1971 die Marken-WM, vor allem aber 1970 den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans nach Zuffenhausen – und begründet damit eine Ära der Porsche Dominanz beim härtesten Rundstreckenrennen der Welt.

So gesehen war es also eine logische Konsequenz, dass sich der eben zu seinem 50. Jubiläum in den Ursprungszustand zurückversetzte 917-001 ein Rendezvous mit der Concorde 002 gönnte. Diese startete am 9. April 1969 zu ihrem Jungfernflug, rund einen Monat zuvor war der 917-001 auf dem Autosalon in Genf vorgestellt worden. Und was soll man sagen? Auch aus dem Stand heraus geben die beiden eine prima Figur ab.

Aber so ist das halt mit Legenden, die einst die Grenzen des Machbaren verschoben haben. Sie faszinieren auch noch ein halbes Jahrhundert später das Publikum.