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Street Art: die kunstvollsten Straßen der Welt

»Form follows Function«: Gilt für Sportwagen genauso wie für die meisten anderen Dinge in unserem Umfeld. Ausgenommen davon ist die Kunst. Und zum Glück auch manche Straße. Denn sonst wäre beides wohl eher langweilig und schnurgerade. Obendrein würde so auch wohl keine »Street Art« existieren. Wo es die vier sprichwörtlich abgefahrensten Kunstwerke der Welt gibt? Wir zeigen es.

Text: Marko Knab Foto: Presse 15.01.2020 3 min

3D-Zebrastreifen, Isafjördur (Island)

Kunst kann der Weg zu einer besseren Gesellschaft sein – dachte zumindest Schiller. Das tat er dann auch in einer Reihe von eher schwer verständlichen Briefen kund. Zumindest im isländischen Isafjördur könnte der geniale Dichter aber recht mit seiner Idee gehabt haben: Denn der dort gelegene Zebrastreifen in 3D-Optik sieht nicht nur rein ästhetisch betrachtet gut aus, sondern macht auch den Straßenverkehr sicherer. Weil die Markierungen über der Fahrbahn zu schweben scheinen, sind die Autofahrer automatisch vorsichtiger – und die Fußgänger damit weniger gefährdet.

L’Arc Majeur, E411 (Belgien)

Etwas Halbes, nichts Ganzes: dass das im Leben auch funktionieren kann, beweist der französische Künstler Bernar Venet. Und zwar mit seinem schon 1984 erdachten »L‘Arc Majeur« an der belgischen Autobahn E411. Der Hintergrundgedanke des erst 2019 fertiggestellten Kunstwerks ist im Gegensatz zu seiner offenen Bauart ziemlich schlüssig: Mit einer Spannweite von 75 Metern und einem Gewicht von 200 Tonnen testet der Bogen nicht nur die Grenzen der Kunst aus, sondern auch die der dafür nötigen Technik.

Parkhaus Züblin, Stuttgart (Deutschland)

Parkhäuser sind dazu da, sein Auto zu parken. Sie überzeugen nicht durch Schönheit oder Repräsentativität, sondern dienen einem bestimmten Zweck. Womit sie zur funktionalistischen Profanarchitektur zählen. Sagt der Geograf und Stadtforscher Jürgen Hasse. Anders in Stuttgart, denn dort verbinden die Schwaben im »Parkhaus Züblin« den Zweck mit der Schöpfung – und das Parken mit der Kunst. Auf verschiedenen Ebenen der öffentlichen Garage trifft man dort nämlich auf unterschiedlichste Exponate an der Wand. Warum noch in die Staatsgalerie, wenn man direkt vor den Kunstwerken parken kann?

Music Road, Lancaster (USA)

Noch mal Schiller. Dieses Mal »Wilhelm Tell«. Würde der Schweizer Nationalheld heute im kalifornischen Lancaster mit seiner Armbrust hantieren, hieße es wohl bei dem deutschen Dichter: »Durch diese schrägen Töne muss er fahren.« Denn Lancasters Music Road wurde so gebaut, dass beim Drüberfahren die Ouvertüre aus Gioachino Rossinis Vertonung von Schillers Drama erklingt. Weil die Planer in den USA aber bei der Konstruktion des Straßenabschnitts die Breite der tongebenden Rillen im Asphalt nicht in die Gesamtlänge der Straße einbezogen haben, passen die Abstände zwischen Fugen nicht ganz. Das Endergebnis? Klingt eher schräg und wie ein Schuss neben den Apfel. Ist aber nur unsere Meinung – Kunst ist ja schließlich Geschmackssache.