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Stefan Bellofs Rekord im 956: Die Relativitätstheorie der Nordschleife

Stefan Bellof galt als das größte deutsche Motorsporttalent: Heute vor 36 Jahren schreibt der junge Rennfahrer in einem Porsche 956 Geschichte und umrundet die Nürburgring-Nordschleife in nur 6:11,13 Minuten.

Text: Marko Knab Foto: Porsche 28.05.2019 1 min

Es gibt Menschen, die sind ihrer Zeit voraus. Im Falle von Albert Einstein waren es 101 Jahre: Erst 2016 wurden Teile seiner Relativitätstheorie bewiesen. Bei Stefan Bellof waren es am 28. Mai 1983 keine hundert Jahre, sondern nur 5,72 Sekunden Vorsprung auf Teamkollege Jochen Mass. Aber die Wellen, die sie schlagen, sind noch bis heute spürbar. Es ist der Tag, an dem eine Schallmauer fällt: Mit 6:11,13 Minuten und 202,053 Kilometern pro Stunde Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Nürburgring-Nordschleife markiert der damals 25-jährige Gießener eine unglaubliche Marke. Und setzt sich ein Denkmal für die Ewigkeit, am Steuer des legendären Porsche 956.

Wie Bellof das geschafft hat? Für Ex-Formel 1-Pilot Martin Brundle ist die Erklärung ganz einfach: Der hagere Lockenschopf mit dem ansteckenden Lachen ist das schnellste Wesen, das er jemals in einem Auto gesehen hat. Aber ist das alles? Ein bisschen Relativitätstheorie war aber auch im Spiel, sind wir uns sicher: Sie besagt nämlich, dass die Zeit für sich sehr schnell bewegende Objekte langsamer vergeht als für ruhende.

PS: Erst 35 Jahre später wird Bellofs Rekordrunde auf der Nordschleife unterboten: Timo Bernhard knackt 2018 am Steuer des Porsche 919 Evo die Zeit seines Jugendidols. Mit 5:19,546 Minuten bricht er den bisherigen Rekord um 51,58 Sekunden.