All translations for this page: Other translations for this page:

Schnörkellos: Porsche Design

Der Porsche 911 gilt als Designikone – so weit, so bekannt. Doch heutzutage geht es nicht mehr nur ums Auto, sondern um Lebenswelten, sagen die Hersteller. Wie praktisch, dass die Lifestyle-Marke Porsche Design dieses Thema schon seit mehr als vierzig Jahren bearbeitet.

Text: Natalie Diedrichs Foto: Steffen Jahn 13.05.2020 9 min

Während einer Fahrt durch Zell am See erklärt uns Geschäftsführer Dr. Jan Becker, wie man Ikonen erschafft, was eine Marke männlich macht und warum man jetzt auch in der Porsche Design-Welt wohnen kann.

Herr Becker, wie wichtig ist es für Sie, sich Zeit zu nehmen?

Da geht es mir wahrscheinlich wie vielen anderen in vergleichbaren Positionen. Es ist wichtig, aber ich mache es zu wenig. Deswegen setze ich sogar Blöcke für Strategieüberlegungen in meinen Kalender. Wir sind zum Beispiel nächste Woche mit unserer Geschäftsführung zwei Tage in Strategieklausur. Denn wenn sie sich von den täglichen Dingen überrollen lassen, laufen sie irgendwann Gefahr, dass sie die grobe Richtung verlassen, in die sie eigentlich laufen wollen. Also von daher lautet die Antwort: Ja, mache ich, machen wir auch in der Geschäftsführung.

Sind Sie der Ansicht, dass Sie genügend Zeit haben?

Nein.

Bei Porsche Design sind die Zeitmesser ja ein wichtiges Produkt.

Richtig, Uhren zählen zu unseren Kernprodukten. Dazu gehören auch Sonnenbrillen und Gepäck. Gleichzeitig sind das drei Produktkategorien, die bei uns eine Historie haben. Die gibt es schon seit den Anfängen von Porsche Design und sie sind deshalb gut etabliert.

Die Marke Porsche Design existiert seit 1972. Wie hat sich Produktdesign seitdem entwickelt?

Die grundsätzlichen Ansprüche an das Design, die Porsche Design verkörpert, haben sich nicht verändert: Es geht um die gleichberechtigte Kombination aus Design und Funktionalität. Heute sind aber die Anforderungen anders.

Inwiefern?

Wir starteten 1972 mit dem schwarzen Chronografen und entwickelten uns dann über Sonnenbrillen und Gepäck weiter. Heutzutage sind auch die Consumer Electronics eine wesentliche Produktgruppe, zum Beispiel Computer und Smartphones. Da stellt die Umsetzung des Designs eine besondere Herausforderung dar, weil heute, wenn wir mal das Beispiel Smartphones nehmen, die grundsätzlichen Designaspekte zwischen den einzelnen Modellen relativ vergleichbar sind. Da gibt es nicht so viele Differenzierungsmöglichkeiten.

Wie schafft man es trotzdem, sich von den anderen abzuheben?

Bei einem Smartphone ist es zum Beispiel wahnsinnig schwierig, sich durch die Frontseite von der Konkurrenz abzuheben. Deshalb arbeiten wir auf der Rückseite mit anderen Materialien. Und auch das User Interface, also das Menü und die Bedienung, gestalten wir nach Porsche Design-Ansprüchen. So findet das Design zunehmend seinen Weg in die digitale Welt. Das ist sicherlich ein Aspekt, der sich über die Jahre änderte.

Aber so etwas wie ein User Interface ist ja schon sehr technisch.

Unsere Designer erledigen vor allem den gestalterischen Teil der Aufgabe. Das geht ein Stück weit auch in die IT, die eigentliche Umsetzung erfolgt dann aber durch unsere Partner, mit denen wir auf Lizenzbasis zusammenarbeiten und die von uns Vorschläge oder Vorgaben bekommen.

Welches Lebensgefühl transportiert die Marke?

Es ist das Lebensgefühl eines Connaisseurs, der aber nicht unbedingt im Vordergrund stehen möchte, sondern gut gemachte Dinge schätzt und auch bereit ist, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Ein Lebensgefühl, das eher von Dezenz geprägt ist. Außerdem geht es darum, auf Kleinigkeiten zu achten, auf Dinge, die vielleicht nicht so offensichtlich sind. Und natürlich ist Qualität essenziell, nicht nur im Sinne des Produkts, sondern auch im Sinne des Designs.

In welchem Markenumfeld sehen Sie Porsche Design?

Im Premium-Bereich. Wir sind nicht absoluter Luxus, da würde ich auch eine Analogie zum Fahrzeug ziehen. Porsche ist Premium, aber es gibt sicherlich Marken, die noch spitzer, teurer und luxuriöser positioniert sind. So würde ich es für uns ebenfalls begreifen. Kein Massenprodukt, aber bewusst noch erreichbar.

Porsche ist dafür bekannt, Ikonen zu erschaffen. Was ist wichtig, um eine Ikone zu sein und zu bleiben?

Auf jeden Fall Zeitlosigkeit und Dauerhaftigkeit. Etwas, das kurz hochschießt und wieder vom Markt verschwindet, ist für mich keine Ikone. Nehmen wir unsere Sonnenbrillen – das Modell P’8478 gibt es seit 1978 und hat sich seitdem mehrere Millionen Mal verkauft. Das Design kommt nicht aus der Mode. Ein anderer wichtiger Aspekt ist Originalität. Ein Produkt, das etwas Besonderes darstellt, das erkennbar ist und nicht im Mittelmaß untergeht. Ein Beispiel aus der jüngeren Zeit wäre der Bounce S. Das ist ein innovativer Sportschuh, der durch eine besondere Federungskonstruktion ein besonderes Design erhielt – eines, das es bislang noch nicht gab. Ein weiteres Beispiel ist unsere 911 Soundbar. Da verwendeten wir einen Endschalldämpfer vom Porsche 911 GT3 und statteten ihn mit Soundelementen aus. Wir nutzen diesen Endschalldämpfer tatsächlich als Resonanzkörper für die Soundanlage. Und da sind wir wieder beim Thema Funktionalität.

Ihr Fokus liegt auf Männer-Accessoires, daher die Frage: Wie männlich darf Design sein und was macht eine Männer-Marke aus?

Auch da ist es wieder, entschuldigen Sie, wenn ich darauf zurückkomme: die Bedeutung und Verwendung von Design. Unsere Produkte sind sehr reduziert und schnörkellos, und unsere Farbwelten sind mit Titantönen und Schwarz eher dezent. Das in Verbindung mit Funktionalität ist es, was uns als Marke männlich macht.

Wie arbeiten Porsche und Porsche Design zusammen?

Auf ganz unterschiedlichen Ebenen – zum Beispiel in der Produktentwicklung. Vor zwei Jahren brachten wir den Monobloc Actuator auf den Markt – der innovative Chronograph arbeitet mit Mechanismen, die aus dem Rennsport abgeleitet sind. Mit den Abteilungen PR, Marketing und Vertrieb sind wir ebenfalls eng vernetzt. Es gibt gemeinsame Retail-Formate in Innenstädten, wo wir sowohl Porsche Produkte als auch Porsche Design-Produkte präsentieren. Das halte ich auch für den richtigen Weg. Denn auch Porsche macht sich darüber Gedanken, wie man die Marke über das Fahrzeug hinaus als Lebenswelt präsentieren kann.

Zum Beispiel in Form eines Porsche Design-Wohnhochhauses?

Richtig, der Porsche Design Tower Miami ist das erste Projekt dieser Art, das uns noch einmal ganz andere Möglichkeiten bot. Einerseits können wir Design-technisch tätig sein und andererseits die Marke präsentieren. Auch hier konnten wir eine Ikone erschaffen, diesmal im architektonischen Sinn. Im Inneren konzentrierten wir uns darauf, die öffentlichen Flächen wie Empfangsbereiche oder Restaurants zu gestalten. In den Apartments selbst lassen wir den Eigentümern natürlich ihren Freiraum.

Muss jemand, der im Porsche Design Tower Miami wohnt, Porsche fahren?

Natürlich nicht, auch wenn viele Käufer auch Porsche fahren. Der Tower in Miami hat die Besonderheit des integrierten Fahrzeugaufzugs. Von daher spielt das Thema Auto schon eine gewisse Rolle, aber das ist markenunabhängig.

Inwieweit betrifft der Wandel in der Automobilwelt auch Porsche Design?

Ein wesentliches Thema ist die Nachhaltigkeit. Wir erheben für uns nicht den Anspruch, der Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit zu sein. Das wäre, glaube ich, bei dem Produktsortiment vermessen. Aber wir achten zum Beispiel darauf, dass unsere Lizenzpartner die notwendigen Zertifikate nachweisen können – das bezieht sich sowohl auf ökologische als auch auf soziale Anforderungen. Diese überprüfen wir regelmäßig, indem wir durch Dritte Audits durchführen lassen. Ein zweiter Aspekt der Nachhaltigkeit ist aber auch, dass wir sehr viele Produkte im Sortiment haben, die so zeitlos sind, dass sie zu Lebensbegleitern werden. Und das ist für uns auch eine Form der Nachhaltigkeit. Wir bringen keine Dinge auf den Markt und kommen zwei Monate später mit der nächsten Kollektion, sondern haben viele Produkte im Programm, die sich ein Leben lang nutzen lassen.