All translations for this page: Other translations for this page:

Ralph Lauren: Der Porsche unter den Modedesignern wird 80

Wer gute Geschichten liebt, muss Ralph Lauren lieben. Dieser Kerl ist einfach voll davon. Angefangen bei seinem eigenen Lebenslauf über die Mode, die er kreiert, bis hin zu seinen Autos. Wobei Porsche hier eine besondere Rolle zukommt: Mit einem 1979er 930 Turbo begann seine Leidenschaft für schnelle Autos.

Text: Bernd Haase Foto: Presse 14.10.2019 6 min

Natürlich kann man über Jubilare viel Gutes sagen. Aber am besten man lässt sie selbst zu Wort kommen. Also, Mr. Lauren, wie war das in Ihrer Kindheit?

»Ich bin in der Bronx aufgewachsen. Als Kind sah ich die Welt wie durch ein Fenster – nicht jenes, das auf den Schulhof ging, wo wir Basketball spielten, sondern ein Fenster zu meinen Träumen. Wie die meisten jungen Leute wusste ich nicht, ob ich meine Träume je erreichen würde. Meine Familie war nicht wohlhabend. Wenn man sich das Geld für ein Hemd oder eine Hose selbst verdienen muss, nimmt man nichts als selbstverständlich an.« So beschreibt Ralph Lauren seine Kindheit in dem 2007 erstmals erschienenen und 2017 aktualisierten Brandbook zum 40. beziehungsweise 50. Geburtstag seiner Marke Polo Ralph Lauren.*

Geboren wird er am 14. Oktober 1939 in der New Yorker Bronx als Ralph Lifschitz. Seinen Vater bezeichnet er als Künstler, der, um seine Familie zu ernähren, als Anstreicher arbeitet. Ein Künstler als Handwerker. »Heute ist Ralph Lauren ein so erfolgreicher Handwerker, dass alle Welt glaubt, es mit einem Künstler zu tun zu haben«, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrem Designer-ABC über den Modestar. Das beschreibt gut Laurens Herangehensweise. Ehrliche Arbeit und vollendetes Handwerk werden zu großer Kunst, eine Beschreibung, die er lässig mit dem Sportwagenhersteller Porsche teilen kann. Aber dazu später mehr.

Bleiben wir bei Ralph Lauren: »Ich erinnere mich, dass ich auf meinem Schulweg jeden Tag an einem Schaufenster mit einem Paar blauer Wildlederschuhe vorbeikam. Ich liebte diese Schuhe. Ich wollte sie unbedingt haben, aber mir fehlte das Geld. Ich freute mich auf meinen Geburtstag, in der Hoffnung, die blauen Wildlederschuhe geschenkt zu bekommen. In gewisser Weise bin ich immer noch der Junge, der aufgeregt vor einem Schaufenster steht und sich nach Dingen sehnt, die außerhalb seiner Reichweite liegen. Nicht unbedingt blaue Wildlederschuhe, sondern etwas Schönes, Zeitloses, das einen in eine andere Welt entführt.«*

Ralph Lauren sucht genau diese Dinge. Auf dem College findet er sie nicht. Dort wird er nach zwei Jahren wegen schlechter Leistungen exmatrikuliert. Danach der Militärdienst, und anschließend wird er Handschuh- und Krawattenverkäufer beim New Yorker Herrenausstatter Brooks Brothers. Nichts Neues für ihn, bereits auf der High School hatte er Krawatten an seine Mitschüler verkauft. Aber das ist ihm nicht genug. 1967 kauft er von seinem Arbeitgeber die Rechte an der Marke Polo. Ein Kredit über 50.000 Dollar macht es möglich. Jetzt fängt er in der Tat an, seine Träume zu verwirklichen. Mit Krawatten, die bunt und breit und damals, Ende der 1960er und Anfang der 1970er, so schrecklich modern sind, dass sie jeder haben will.

Ralph Lauren: »Persönlicher Stil bedeutet, zu wissen, wer man ist; zu wissen, woran man glaubt. Es geht um das Selbstbewusstsein. Wenn ich das habe, kann ich alles tragen, was ich möchte, und mit meinem Stil etwas Persönliches über mich und meine Gefühle ausdrücken.«*

An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Dem New Yorker Edelkaufhaus Bloomingdale’s gefällt seine Krawattenkollektion zwar, aber sie wollen sie schmaler haben und ihr eigenes Label draufsetzen. Lauren macht nicht mit. Ein halbes Jahr später bietet ihm Bloomingdale’s ein eigenes Regal an – mit seinem eigenen Label. Denn seine Kollektion ist die Modesensation schlechthin. Steve McQueen soll an einem Tag gleich 17 Exemplare auf einmal gekauft haben. Und mit dem 35 Jahre älteren Cary Grant unterhält sich Lauren leidenschaftlich über Krawattenmode.

»Wenn ich ins Kino ging, öffnete sich mir ein Fenster in eine andere Welt, von der ich nie zu träumen gewagt hatte. Und ich tauchte einfach ein. Bei einem Western bestaunte ich nicht nur John Wayne auf der Leinwand, sondern ich selbst wurde zum Cowboy, zum Mann auf dem Pferd. Bei einem Baseballspiel war ich es, der einen Home Run machte. Der Ursprung meiner Designs liegt in Dingen, von denen Menschen träumen.«*

An diesen Träumen arbeitet Lauren bald selbst mit. Er ist es, der für die Verfilmung von F. Scott Fitzgeralds »Der große Gatsby« Robert Redford einkleidet und dazu gleich eine ganze Herrenkollektion entwirft. Die Schauspielerin Audrey Hepburn schwärmt später über Lauren: »Er hat uns die Romantik des Westens gegeben, den Glamour Hollywoods, die Abenteuer einer Safari, die Reinheit Neuenglands, die Einfachheit eines modernen Strandhauses, den Reichtum eines schicken Anwesens – nur besser, als wir sie uns vorgestellt haben.«

Besser als viele andere dürfte auch Laurens Auto-Sammlung sein. Vor zwei Jahren machte er seine Garage mit mehr als fünfzig klassischen Automobilen zum Laufsteg für seine jüngste Kollektion. 2011 stellte er 17 Fahrzeuge seiner Sammlung im Pariser Louvre aus, darunter der ikonische Bugatti Atlantic von 1938, der Bentley Blower von 1929 und ein Porsche 550 Spyder.

Mit einem Porsche begann auch seine Leidenschaft für schnelle Autos: Sein erster Sportwagen war ein schwarzer 911 Turbo der Baureihe 930 aus dem Jahr 1979. »Nachdem ich dieses Auto gekauft hatte, begeisterten mich Autos immer mehr«, wird er in seinem eigenen Markenmagazin zitiert, in dem er vor allem auch die technologischen Errungenschaften des Fahrzeugs lobt. Absolut nachvollziehbar, das.

Ralph Lauren: »Ich liebe Orte und Dinge, die uns verändern, die uns die Welt um uns herum vergessen lassen, und sei es nur für einen Tag, einen Abend oder einen Augenblick. Ich liebe die Romantik von Filmen, Autos, den Songtexten von Cole Porter und Frank Sinatra. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind zeitlos und unvergänglich.«* So wie Ralph Lauren und seine Mode selbst auch.

* Zitiert aus: Ralph Lauren: Revised and Expanded Anniversary Edition. Rizzoli. 2017