Porsche und Bauhaus: The Perfect Fit

Warum Porsche und Bauhaus so gut zusammenpassen

Porsche und Bauhaus? Passt perfekt zusammen, sagt der spanische Künstler Max de Esteban. Klar, dass uns das interessiert. Ein Gespräch über Ästhetik, technologischen Fortschritt und den letzten Ort, an dem er frei sein kann.

Text: Natalie Diedrichs Foto: SSSZphoto 5 min

Max de Esteban liebt Technik. Und Porsche. Der Spanier ist ein echter Mathe-Crack, hat einen Diplomabschluss in Ingenieurswissenschaften gemacht, einen Master of Science in Stanford draufgesetzt und anschließend im Bereich der Wirtschaftsphilosophie promoviert. Anstatt Ingenieur zu werden, entschied er sich jedoch dazu, seine Liebe für Technik künstlerisch auszuleben. Seine Ausstellungen präsentiert der Bauhaus-Künstler auf der ganzen Welt.

Faszination Maschine: Warum Porsche und Bauhaus so gut zusammenpassen
Faszination Maschine: Warum Porsche und Bauhaus so gut zusammenpassen
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Finden Sie, dass ein Porsche das perfekte Bauhaus-Auto ist?
Ich würde sagen, dass die Kernessenz des Bauhauses der Dialog zwischen Kunst und Technologie ist. Abgesehen von Leonardo da Vinci in der Renaissance war Bauhaus wahrscheinlich die erste künstlerische Bewegung, die diese beiden Themengebiete miteinander verbunden hat. Die Lehrer des Bauhauses waren einfach fasziniert von Maschinen. Und Porsche repräsentiert die ultimative Maschine, wenn es um technische Perfektion in Verbindung mit minimalistischem Design geht. Von daher ja, ich denke, dass so ein Porsche viele Bauhaus-Werte repräsentiert.

Sie fahren inzwischen ihren achten Porsche 911. Was schätzen Sie daran so sehr?
Es sind so viele Dinge, aber eines ist sicher das Design. Er ist nicht so überfrachtet wie andere Autos. Nehmen wir zum Beispiel einen Rolls Royce – der steht durch und durch für Kitsch. Dieses Auto hat meiner Meinung nach von allem zu viel. Ein Porsche ist dagegen sehr viel klarer und schlichter, was ihn einfach zeitlos macht. Und dann natürlich der Motor, der vielleicht nicht der lauteste auf der Welt ist. Aber ich meine, in seinem Sound immer so etwas wie einen tiefen Herzschlag zu hören – ich liebe diesen Sound einfach.

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Welche Parallelen lassen sich zu Ihren eigenen Werken ziehen?
Wenn Sie meine Bilder betrachten, erkennen Sie vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit zu den Oberflächen und aerodynamischen Elementen eines Porsche. Meine ganze Arbeit dreht sich um die Beziehung zwischen der Technologie und dem Menschen. Alles, was ich bislang in meinem Leben gemacht habe, zeigt, wie Technologie unser Denken und Fühlen beeinflusst. Ich versuche damit, den Zeitgeist wiederzugeben. Denn heutzutage ist Technologie überall um uns herum und bald auch in uns drin – durch genetische Veränderungen.

Ist technologischer Fortschritt gut oder schlecht für uns?
Wahrscheinlich beides. Wissen Sie, ich glaube an den Fortschritt. Ich weiß, dass der technologische Fortschritt in den letzten 20, 30 Jahren stark kritisiert wurde. Und ja, wir haben viel falsch und große Fehler gemacht – vor allem die europäische Bevölkerung. Aber insgesamt wollen doch die meisten Leute lieber heute leben als wie vor hundert Jahren. Das bedeutet doch etwas oder?

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Was sagen Sie Leuten, die den technischen Fortschritt kritisieren?
Nehmen wir die Spinning Jenny. Die Spinnmaschine löste im 18. Jahrhundert eine Revolution in der amerikanischen Baumwollindustrie aus. Der Wandel hatte seine Schattenseiten, denn dadurch stieg die Zahl der Sklaven in den Südstaaten binnen 50 Jahren von 50.000 auf drei Millionen. Natürlich war das dramatisch und tragisch. Aber es ist falsch, sich die Frage zu stellen, ob die Spinnmaschine hätte erfunden werden dürfen oder nicht.

Würden Sie das Gleiche über die Atombombe sagen?
Ja. Atomkraft hat eine schreckliche Schattenseite, die durch Missbrauch die Welt vernichten kann. Aber ihre Erfindung war eben unvermeidbar, denn auf der Welt leben so viele intelligente Technik-Freaks, die so etwas nun mal früher oder später erfinden. Die Technologie an sich ist also nicht das Problem, sondern die Art, wie wir mit ihr umgehen. Die Autoindustrie durchläuft ja gerade auch einen interessanten Wandel. Ob es in 50 Jahren noch Autos geben wird?

Porsche und Bauhaus: The Perfect Fit

Was schätzen Sie?
Ich würde sagen, ja. Porsche wird es später sicherlich noch geben, aber wahrscheinlich mit einer anderen Form von Auto, als wir es heute kennen. Die Herausforderung für die großen Autohersteller liegt darin, das Auto der Zukunft völlig neu zu denken. Sie sollten sich am besten in Ferdinand Porsche zurückversetzen und überlegen, was er heute getan hätte.

Genau das machen sie gerade wahrscheinlich auch. Kommen wir aber zum Schluss nochmal zurück zu den Autos, wie wir sie heute kennen. Warum lieben Sie sie und vor allem Porsche?
Ein Auto ist für mich einer der wenigen Rückzugsorte, an denen ich frei sein kann. Dort kann ich selbst entscheiden, zum Beispiel wohin und wie lange ich fahre. Natürlich darf ich keinen Alkohol trinken und so weiter, aber abgesehen davon kann ich in einem Auto alle Entscheidungen selbst treffen. Und genau deshalb mag ich Porsche. Sie übertreiben es nicht mit der Konnektivität. Manche kritisieren sie dafür und klar sind andere Marken da schon weiter. Aber diese Autonomie, die der Fahrer beibehält, macht für mich den Spirit der Marke aus. Und das finde ich so faszinierend. Die Welt wird sich ändern und wahrscheinlich sind wir eine der letzten Generationen, die diese Art von Freiheit erleben darf. Genießen wir es also einfach, solange wir das noch können.

Hinweis: Was Bauhaus in der Fotografie eigentlich genau bedeutet und wie wir dies mithilfe eines Porsche Cayenne Turbo herausgefunden haben, lesen Sie übrigens in der ramp#45.

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