Tage des Donners: die Porsche Rennsport Reunion

Die Porsche Rennsport Reunion

50 Fahrerlegenden, 500 klassische Rennwagen, 50.000 Zuschauer: Zum 70. Geburtstag lud Porsche zum 6. Porsche Rennsport Reunion nach Laguna Seca.

Text: Roland Löwisch Foto: Lisa Linke 18.12.2018 4 min

Das Rennen ist unglaublich. Die roten Wettbewerbsfahrzeuge nähern sich der Kurve, ... und nähern sich ... und nähern sich ... und nähern sich, bis die vielen Standard, Junior und Master mit etwa 20 km/h den Apex treffen und wild dieselnd auf die Gegengerade einbiegen. Porsche-Traktoren, gebaut in den 50er- und 60er-Jahren, geben sich die Kante – das erste Mal bei einem der inzwischen legendären Porsche Rennsport Reunion in Laguna Seca. Das erste Rennen gewinnt der amerikanische Porsche Werksfahrer Patrick Long: »Das war mit Abstand der langsamste Porsche, den ich je gefahren bin. Aber es hat richtig Spaß gemacht ...«

Auch wenn sich gerade viel in Amerika verändert – Porsche bleibt, besonders in Kalifornien. Und damit auch die Begeisterung für die Sportwagen made in Germany. Porsche Nordamerika-Chef Klaus Zellmer: »Der Golden State war für uns schon immer eine zweite Heimat.« Kein Wunder, gibt es doch auf der Welt keine weitere Region, in der die Zuffenhausener annähernd gleich viele Autos absetzen können.

Es ist nur logisch, dass dann auch hier in Kalifornien das größte Markentreffen der Welt stattfindet – selbst wenn das Treffen als nettes kleines Event im Jahr 2001 in Lime Rock nördlich von New York debütierte. Zum 70. Geburtstag von Porsche kommen nun mehr als 50.000 Zuschauer nach Laguna Seca. Alleine der Porsche Club USA reist mit 1.500 Fahrzeugen an, um mehr als 500 Rennautos von Porsche zu genießen (davon 350 auf der Rennstrecke) und rund 50 Fahrerlegenden zu treffen. Die Menge der einst Aktiven ist begründet durch das diesjährige Motto »Marque of Champions«.

Tage des Donners: die Porsche Rennsport Reunion

Die Piloten und Ingenieure werden verehrt wie eh und je. So lässt sich Reunion-Mitbegründer Brian Redman feiern, ebenso Haywood, Mass, McQueen (Chad), Schurti, van Lennep – und wie sie alle heißen. Insgesamt elf Le Mans-Sieger erzählen ihre wildesten Storys. In zwei Schichten à 25 Unterschriftwilligen geben die alten – und auch ein paar junge – Autogramme in Bücher, auf Mützen, Poster, Fotos und sogar auf halbe Karts. Und wenn ein Derek Bell nach 31 Jahren wieder in den Löwenbräu-962 steigt und nach der Hatz über die 3,601 Kilometer lange Strecke schwitzend aussteigt, jubelt die Menge. Norbert Singer ist da, der Vater des 962, auch Hans Mezger, der unter anderem die Motoren für GT2- und GT3-Autos und die Turbo-911er ersann. Und August Achleitner, verantwortlich für alle aktuellen 911er-Porsche, wird irgendwo zwischen dem Supercar-Parkplatz (»959 parking only«) und dem Momo 356 RSR Outlaw (Rod Emory hat völlig respektlos einen 400 PS starken 2,4-Liter-Vierzylinder-Biturbo-Motor von Rothsport Racing und TurboKraft auf ein 964-911er-Chassis geschraubt und eine 356-B-Karosserie von 1960 drübergezwängt) beglückwünscht zu seinem Einfluss auf das Stuttgarter Portfolio. Der Hype ist ungebrochen.

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Es bleibt genauso die Faszination über die Autos. Unter anderem 906, 908, 910, 917 und 956 brüllen ihre Boxertiraden in die kalifornische Luft, und als der 919 Hybrid Evo auf seiner letzten Dienstfahrt nach der Start- und Zielgeraden eine 185 (mph) auf die für alle ablesbare Tempomessung brennt, überschlägt sich die Stimme des Streckensprechers fast. Das Volk, das sein Leben mit maximal 80 Meilen auf dem Highway verlangweilt, ist völlig aus dem Häuschen. Im Ausstellungszelt hält besonders der restaurierte Berlin-Rom-Wagen von 1939 – eine Leihgabe des Hamburger Prototyp-Museums – das Publikum in Bann, während eine nachgebaute, unlackierte Version des Typ 64 mal eben bei den Zuschauerautos zwischen einem vom japanischen Tuner »Rauh-Welt Begriff« vergewaltigten 911 in Gold und einem modernisierten 911 Turbo RSR, Baujahr 1984, von »Accumoto Motorsport Präzision in Bewegung« aus Waunakee, Wisconsin, weilt.

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Also alles wie immer? Fast. Denn der beste Autofahrer der Welt fehlt: Walter Röhrl. Dem Vernehmen nach gefallen dem ehemaligen Rallyeweltmeister die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in den USA nicht. Deshalb hat er keinen Bock auf das Land.

Es ist eben doch nichts so beständig wie der Wandel.

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Info: Erstmals erschienen in der ramp #44