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Porsche 964 M1M: King of the Mountains

Schlicht, pur, ein Tool für die Berge – so lauteten die Anforderungen an Michael Mauers ganz persönlichen 964. Also machte der Porsche Chefdesigner Skizzen, und ein Team von Profis baute das Auto auf Basis eines Carrera 2 Coupé WTL. Und jetzt fährt er ihn – am liebsten auf Passstraßen.

Text: Natalie Diedrichs Foto: Stefan Bogner 24.07.2020 3 min

Der Furkapass in der Schweiz: Graue, gut ausgebaute und perfekt asphaltierte Straßen schlängeln sich bis zu 2.429 Meter hoch. Satte Bergwiesen, grünlich schimmernde Seen und graue Felsen prägen die Landschaft. Für Michael Mauer, Leiter der Designabteilung bei Porsche, ist dies der ideale Ort, um seinen M1M zum ersten Mal so richtig auszufahren. Und das hat gleich mehrere Gründe. Aber beginnen wir mal ganz von vorn.

Mauer ist nämlich nicht nur Designer, sondern auch ein echter Car Guy. Er liebt es, schnelle Autos sportlich zu bewegen. Als er mit dem Gedanken spielte, sich neben seinem 997 GT3 auch noch einen klassischen 911 zuzulegen, war schnell klar, dass dieser etwas Besonderes sein muss. Etwas, das ganz klar Mauers Vorstellungen eines perfekten Porsche entspricht, quasi so, wie er ihn am liebsten gezeichnet hätte. Keine leichte Aufgabe also.

Deshalb holte Mauer die Profis von AP Car Design dazu, die sich auf die Veredelung luftgekühlter Porsche spezialisiert haben. Unter der Leitung von Inhaber Thomas Nater nahm sich das Team ein 964 Carrera 2 Coupé WTL von 1991 vor und baute ihn entsprechend den Vorstellungen von Mauer um. »Der 964 hat noch die Urform des 911, ist aber schon ein modernes Auto«, begründet Mauer die Wahl dieser Elfer-Generation. Die Vorgaben lauteten: So schlicht und pur wie möglich und dabei gleichzeitig fahrtauglich für die Berge sollte er sein. 1.700 Arbeitsstunden, etliche Skizzen und Diskussionen später war der 1.190 Kilo leichte M1M endlich fertig. Die Jungs von AP Car Design entfernten unter anderem das Schiebedach und setzten Dünnglasscheiben ein, um Gewicht zu sparen. Außerdem zogen sie 19 Zoll breite BBS-Felgen auf, montierten moderne Scheinwerfer und entfernten die Lippe am Spoiler – um die Linie nicht zu stören. »Weglassen ist eine große Kunst«, fasst Mauer die Philosophie des M1M zusammen – abgesehen vom Antrieb: Den Motor optimierten die Customizer von 3,6 auf 3,8 Liter, wodurch sich eine Leistungssteigerung auf 311 statt 250 PS ergibt.

Zur Farbwahl des M1M ließe sich sicherlich ein ganzes Kapitel füllen. Mal kurz zusammengefasst: Hier wählte Mauer das heutzutage eher seltene Modegrau (Code L61H), das auf dem ersten Blick dem recht populären Ton Kreide ähnelt. »Die Farbe bringt das pure Design des 964 zum Ausdruck«, erklärt der Chefdesigner. Bereits die 356 Pre-A-Modelle in den Fünfzigern trugen Modegrau, das sich durch seinen grünen Unterton dezent von Kreide abhebt. Im Innenraum findet sich perforiertes Nappaleder, kombiniert mit grün-grau kariertem Muster, dazu ein schwarzes Armaturenbrett in Seidenmatt sowie ein Balsa-Holzschaltknauf.

Grün und grau – eine Farbwelt, die wunderbar die Umgebung des Furkapasses aufgreift. Ganz abgesehen davon, dass die dortigen Straßen ein Traum für jeden Sportwagen- und Motorradfahrer sind. Passend dazu trägt der M1M den Kosenamen »Mountain Tool« am Heck. Jetzt muss man wissen, dass Michael Mauers bevorzugter Lebensraum eigentlich die Berge sind – wenn er nicht gerade in Zuffenhausen arbeitet: mountainbiken, wirklich gut Ski fahren oder eben mit einem 911 die Geschwindigkeit kurviger Straßen in atemberaubender Kulisse erleben – so bekommt der Designer nach eigener Aussage am besten den Kopf frei und ist in diesen Momenten ganz bei sich.