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Porsche 718 x Schottland = Highspeed in den Highlands

Ein Roadtrip durch Schottland, dazu zwei Porsche in Form eines 718 Cayman GT4 und eines 718 Spyder und vor allem: viel, viel Spaß. Und das alles mit unserer Lieblings-Ingeneieurin, die auch fahren, fotografieren und schreiben kann: Laura Kukuk nimmt uns mit in die Highlands.

Text: Laura Kukuk Foto: Laura Kukuk 06.08.2019 6 min

Ein Roadtrip durch das schottische Hochland? Klingt an sich schon ziemlich verlockend. Mit einem Porsche 718 Cayman GT4 und einem 718 Spyder wird es aber erst so richtig interessant. Und zaubert einem erst recht ein Lächeln aufs Gesicht. Kein Wunder also, dass wir es kaum noch erwarten konnten, die zwei neuen Topmodelle der Cayman- und Boxster-Familie zu testen. Da zählt man schon mal Tage und Stunden herunter …

Dann ist es endlich so weit: Wir stehen am Flughafen, Reiseziel Edinburgh, Schottland. Erwartet werden wir dort bereits von einem perfect Match: dem Klang eines Sechszylinder-Saugers in Boxer-Bauform, einem Drehzahllimit von sagenhaften 8.000 Umdrehungen pro Minute und einer Sechsgang-Handschaltung. Klingt gut? Das tut es definitiv, denn der Vierliter-Sechszylinder-Sauger sitzt direkt hinter der Fahrgastzelle und schickt seine Kraft auf die Hinterräder. Sowohl im GT4 als auch im Spyder.

Endlich die ersten gemeinsamen Kurven, wir tasten uns langsam an das Limit: Dabei fällt auf, dass das neue 718-Chassis erfrischend agil ist. Die Rede ist aber nicht vom GT4, sondern vom Spyder. Oder besser gesagt von beiden – denn die Topmodelle der 718-Baureihe teilen sich das sportliche Fahrgestell. Andreas Preuninger, Chef der GT-Abteilung von Porsche, erklärt es uns: »Das ist wahrscheinlich der größte Sprung, den der Spyder je gemacht hat. Effektiv ist er jetzt ein offener GT4. Dieselbe Federung, alles unter seiner Haube entspricht dem Coupé – quasi ein GT4 oben ohne.«

Da bleibt neben dem Spyder nur noch die Frage offen, welchen der beiden Boliden man jetzt fahren will? Der Motor zumindest macht keinen Unterschied, denn beide Varianten nutzen dasselbe Triebwerk, das seine Spitzenleistung von 414 PS bei 7.600 Umdrehungen generiert. Drehmoment ist ebenfalls reichlich vorhanden, zwischen 5.000 und 6.800 Touren liefert der Sauger satte 420 Nm ab. Neben den Drehzahlen, die wir jetzt um 200 mehr auf bis zu 8.000 Umdrehungen ausreizen können, steigen in den neuen 718ern auch die Höchstgeschwindigkeiten: im Spyder auf 301 Kilometer pro Stunde, beim Coupé sogar auf 304 km/h.

Dass der GT4 auf der Rennstrecke so ein echtes Biest ist, konnten wir da ja schon erahnen. Aber dass beide Brüder auf der normalen Straße derart gut und messerscharf sind, überrascht uns dann doch irgendwie: Sie fühlen sich wunderbar leicht und agil an, haben genau die Leistung, die man braucht – und sind dabei trotzdem gut zu kontrollieren. Mit diesen Fahreigenschaften ist der neue Spyder seinen Vorgängern Lichtjahre voraus. Der Boxster war 1996 schon ein besonderes Auto, das seinerzeit ein pures Fahrerlebnis auf die Straße brachte. Der neue Spyder aber verschiebt die Maßstäbe noch einmal weiter nach oben – auch mit seiner ausgereiften Aerodynamik. Die ist wirklich etwas Besonderes: Der 718 Spyder ist das erste Modell auf Boxster-Basis, das an der Hinterachse Abtrieb generiert. Allein die Hälfte der Bodenhaftung stammt dabei vom großen Diffusor, den er vom GT4 ebenfalls übernommen hat. Genauso wie die NACA-Lufthutzen, die für eine effiziente Motorkühlung sorgen. Nur beim Heckflügel muss er kleinere Brötchen backen und auf den feststehenden Spoiler des Bruders verzichten.

Als Ausgleich hat er dafür aber auch freien Blick gen Himmel – dank des leichten Stoffverdecks, das man schnell von Hand öffnen kann. Einige hatten das minimalistische Stück Stoff schon kritisiert, wir dagegen lieben es: Die gewählte Lösung ist viel schneller und effizienter als ein schwerer Antriebsmotor, der das Verdeck dazu auch noch langsamer unter der Abdeckung verschwinden lässt. Und hundert Mal schneller als bei unserem Alltagsauto, einer Lotus Elise S1, ist es auch – dort müssen wir immer das ganze Dach abbauen und versuchen, es irgendwo zu verstauen.

Nach dem Dach machen wir uns auch endlich von etwas anderem frei: den Tempolimits auf den öffentlichen Straßen – denn es geht auf die Rennstrecke. Aber nicht auf irgendeine, sondern auf den Kurs in Knockhill, seines Zeichens das nationale Motorsportzentrum Schottlands. 60 Meter Höhenunterschied machen diese relativ kurze Strecke zu etwas ganz Besonderem. Auf gut zwei Kilometern windet sich das Asphaltband sechsmal nach rechts und zweimal nach links. Trumpf ist hier eine gute Beschleunigung – und da haben wir mit den beiden 718 gute Karten. Von null auf hundert in 4,4 Sekunden? Sollte gut vorangehen auf der langen Gerade vor Duffus Dip …

Aber nicht nur das Beschleunigen macht Spaß, sondern auch das Bremsen und Herunterschalten. Beide Autos machen es einem einfach, die Brems- und Schalttechnik mit Heel and Toe zu erlernen. Dabei bremst man mit der Spitze des rechten Fußes, während man mit der Ferse die Drehzahl am Gaspedal kontrolliert und auf den niedrigeren Gang abstimmt. Übernimmt normalerweise der sogenannte Auto-Blip im 718, aber selbst bei ausgeschaltetem System in der Mittelkonsole fällt das hier leicht.

Eine ähnlich große Freude ist auch die aktive Radaufhängung, die im Vergleich zum Vorgänger weiter überarbeitet wurde. So fährt es sich sowohl auf der Rennstrecke als auch den engen schottischen Straßen stets geschmeidig. Als echte Rennwagen bieten beide 718 dabei auch die Möglichkeit, Spur und Sturz, die Bodenfreiheit und das Verhalten der Stabilisatoren manuell anzupassen. Bodenwellen sind so kein Problem, auch nicht, wenn man etwas dynamischer wie wir unterwegs ist. Kurzum: Das Auto vermittelt dem Fahrer sofort Vertrauen und klebt auf der Straße wie ein Kaugummi. Die Fahrt insgesamt ist knackig, aber auch auf den holprigen schottischen Straßen bieten die Dämpfer genug Komfort, um angenehm voranzukommen.

Mein Fazit: Der 718 Cayman GT4 ist wahrscheinlich das beste alltagstaugliche Track-Tool auf dem Markt. Preis und Leistung, aber vor allem die Fahrbarkeit stimmen hier. Und der überarbeitete Spyder ist all das, aber zusätzlich auch noch ohne Dach!