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Piëch bei Porsche: die Meilensteine

»Ich konnte diesen komischen Namen nicht aussprechen, aber der Mann hatte Durchblick«, sagte Formel 1-Weltmeister Graham Hill einst über Ferdinand Karl Piëch. Der Mann, der Porsche Ende der 1960er und Anfang der 1970er maßgeblich prägte, ist vergangenen Sonntag im Alter von 82 Jahren gestorben. Ein Nachruf in fünf Porsche Meilensteinen.

Text: Alexander Morath & Marko Knab Foto: Porsche 27.08.2019 4 min

Am 1. April 1963 beginnt für einen 26 Jahre jungen Ingenieur in Stuttgart-Zuffenhausen die berufliche Laufbahn. Er heißt Ferdinand Karl Piëch und ist der Enkel von Prof. Ferdinand Porsche. Anfangs als Sachbearbeiter im Motorenversuch beschäftigt, macht der gebürtige Wiener schnell Karriere und übernimmt 1966 die Versuchsleitung.

1968 schließlich steigt er zum Leiter der Versuchsabteilung und Verantwortlichen für die Rennaktivitäten auf. Es ist die Position, die seinen Ruf über seinen Tod hinaus prägen wird. Ferdinand Piëch beschert der Welt Motorsport-Legenden wie den Porsche 917, unter seiner Leitung gewinnt Porsche neben anderen großen Langstreckenrennen 1970 erstmals die 24 Stunden von Le Mans.

Motor des Ur-911 (1963)

Gerade mal 26 Jahre alt und frisch in das Unternehmen eingestiegen, bringt Piëch dem Porsche 911 im Jahr 1963 das Laufen bei: Bevor er in gerade mal drei Monaten ein Rennderivat auf Basis des Sechszylinder-Boxers entwickelt, sind die Probleme beim Serienmotor des 911 noch groß: Die Antriebe halten (noch) nicht. Schnell mit der Entwicklung beauftragt, legt Piëch zusammen mit Hans Mezger Hand an und macht den 130 PS starken Motor für den ersten Elfer flott – und zuverlässig. Und schreibt so nebenbei an einer der größten Erfolgsgeschichten in der Automobilindustrie mit.

909 Bergspyder (1968)

Auf die leichte Schulter nimmt Piëch die Arbeit nie – auch nicht beim 909 Bergspyder. Das hindert ihn aber nicht daran, das Auto besonders gewichtssparend zu bauen: Bis heute ist der 909 dank Aluminiumrahmen, Titanfederung, Kunststoffkarosserie und innovativen Bremsscheiben aus dem Metall Beryllium der leichteste Porsche aller Zeiten – am Ende stehen gerade mal 384 Kilogramm Gewicht zu Buche. Bei 275 PS Leistung aus einem Achtzylinder-Boxer ist der 909 so auch einer der kompromisslosesten Wagen, die die Porsche Hallen je verlassen haben. Der geplante Sieg in der Berg-EM gelingt – jedoch mit dem Vorgänger, dem 910 in der Ausbaustufe des Bergspyders.

917 (1969)

Sein Meisterstück liefert Piëch mit dem 917 ab – aber nicht alleine, denn für den Rennwagen des Jahrhunderts zeichnet er zusammen mit Weggefährte Hans Mezger verantwortlich. Den 917 bezeichnet Piëch rückblickend als »das riskanteste Auto meines Lebens«. Aber das finanzielle und technische Risiko rund um »das ultimative Tier unter den Rennwagen« zahlt sich aus, das Experiment mit zwölf Zylindern und 4,5 Litern Hubraum gelingt. 1970 holt der 917 nach leichten Anlaufschwierigkeiten den lange ersehnten ersten Gesamtsieg in Le Mans. In weiteren Ausbaustufen gewinnt der 917 ein zweites Mal das große Rennen an der Sarthe, dominiert die CanAm-Serie und stellt 1972 auch den stärksten je auf einer Rundstrecke gefahrenen Motor – mit 1.100 PS. Auf dem Prüfstand liefert das unglaubliche Aggregat des 917/30 bei 2,24 bar Ladedruck dann sogar 1.570 PS.

914/8 (1969)

Kleines Auto, großer Motor: Beim 914, der aus einer Kooperation von Volkswagen und Porsche entsteht, wendet Piëch diese einfache Formel an. Denn ihm ist sein eigener roter »Volksporsche« zu brav. Heraus kommt ein Grenzgänger, der zwischen Rennstrecke und Autobahn sein Unwesen treibt und leistungstechnisch den Supersportwagen seiner Zeit Paroli bietet. In Piëchs eigenem 914 schlägt nach dem Umbau nämlich das Achtzylinder-Boxerherz des dreifachen Markenweltmeisters und Rennwagens Porsche 908. 300 PS katapultieren den Mittelmotorsportler in zuvor unbekannte Performances. Mit »nur« 260 PS dagegen muss Ferry Porsche auskommen – zum 60. Geburtstag erhält er den zweiten, hier gesehenen Über-914 in gedeckterem Silber.

V16-Motor (1971)

Wenn 16 Zylinder in der Familie liegen: Auf der Suche nach mehr Leistung für den Porsche 917 lässt Piëch 1971 drei Motoren mit 16 Brennkammern herstellen. Die zeigen mit 750 PS und 735 Nm Drehmoment ermutigende Leistungswerte, haben intern aber das Nachsehen gegenüber den kleineren und mit Kompressor oder Turbolader aufgeladenen Motoren. Inspiration für den Sechzehnender unter den Porsche Motoren ist dabei womöglich der mit gleich vielen Zylindern ausgestattete Antrieb aus dem Auto Union Typ C – konstruiert von Piëchs Großvater Ferdinand Porsche. Doch die Idee von Piëch lebt weiter und feiert in W-Bauweise ein Comeback – im Bugatti Veyron.