Patrick Long über »Luftgekühlt«: »Lass das Projekt für sich sprechen.«

Patrick Long ist seit 2003 Porsche Werksfahrer. Er gewann zwei Mal die 24 Stunden von Le Mans, neben zahlreichen anderen Meisterschaften und Rennen. Und er gründete mit seinem Buddy Howie Idelson »Luftgekühlt«, mittlerweile eine der größten Porsche Shows überhaupt.

Wenn Du heute auf »Luftgekühlt« blickst, bist Du überrascht oder hast Du diesen Erfolg in der Form erwartet?

Es ist definitiv eine große Überraschung. Ich wollte einfach etwas machen mit Leidenschaft und aus einem egoistischen Antrieb heraus. Etwas, das mir selbst gefällt und Spaß macht. Die Idee, dass das eine große Popularität nach sich ziehen könnte, war zwar da, aber es war nie beabsichtigt, enorm zu wachsen. Ich denke, was alle Porsche Fahrer und Fans vereint, ist eine hohe Kreativität und auch die Bereitschaft, gewisse Risiken einzugehen.

Was macht Porsche so attraktiv für diese Art von Menschen?

Gute Frage. Die eine absolute Antwort weiß ich darauf natürlich nicht, aber für mich gibt es keine andere Marke, die eine solch außergewöhnliche Ingenieursleistung und gleichzeitig ein solches Design liefert. Und das seit Jahrzehnten. Wenn man an andere Marken denkt, dann gibt es da einige, die sicher sehr stark im Bereich Design sind, aber die Technik ist dann so eine Geschichte für sich. Oder andere Marken, die vielleicht bei der Technik stark sind, dann aber beim Design oder der künstlerischen und emotionalen Ansprache schwach bleiben. Die Menschen, mit denen ich mich umgeben möchte, von denen ich lernen möchte, die verbindet alle die Faszination für Design, Kunst in Verbindung mit Ingenieurskunst auf höchstem Niveau. Und das in vielen Bereichen ihres Lebens, ob das Architektur oder Uhren oder was auch immer ist. Ich glaube, das ist so der gemeinsame Nenner.

Wie kam es überhaupt zu »Luftgekühlt«?

Einer der Gründe für »Luftgekühlt« war, dass ich keine vernünftige Plattform für eine Verbindung aus klassischen Autos und dem westkalifornischen Lebensgefühl finden konnte. Ich besaß damals meinen ersten luftgekühlten 911er und konnte einfach nichts finden, das mich überzeugte. Seit 2014, als wir angefangen haben, hat sich alles sehr viel weiter entwickelt.

Erinnert an die Geburtsstunde von Porsche, als Ferry Porsche meinte, er könne das Auto nicht finden, von dem er träume, also baute er es eben selbst.

Absolut. Natürlich war mein Antrieb selbstsüchtig. Es war eine Zeit, in der ich schon den Spirit von Cars & Coffee mitgenommen habe, aber das war für mich dann auch schon der einzige, wöchentlich stattfindende Car-Event, von dem ich bis dato gehört hatte und der mich auch angesprochen hat. Er fand nicht in Los Angeles statt und wurde auf einem Parkplatz abgehalten. Wäre es Venice Beach, Santa Monica oder Manhattan Beach gewesen, davon war ich überzeugt, wären da auch noch ganz andere Autos vorgefahren. Also dachte ich mir, man müsste beides zusammenbringen.

Wie siehst Du »Luftgekühlt«?

Ich betrachte »Luftgekühlt« als eine Art Boulevard, auf dem Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft zusammenkommen. Und nicht ohne einen gewissen Stolz blicke ich auf die Entwicklung von »Luftgekühlt«. »Luftgekühlt« war eine Art Treffpunkt für Autofahrer. Anfangs war das auch sehr ruhig, konservativ. Mittlerweile ist es eine Art Lifestyle-Event, es geht um die Menschen, um Musik, um Essen. Luftgekühlte Porsche sind im Grunde das Poster, das über allem hängt, der Anlass, warum wir zusammenkommen. Aber es geht darum, dass sich Menschen treffen und eine gute Zeit haben.

Gibt es Pläne, noch weiter zu wachsen?

Sicher, wir sind immer offen für Neues. Wir stehen auch in Gesprächen, und so sehr ich das Wort »organic« im Zusammenhang mit Wachstum hasse, weil es in der heutigen Zeit einfach überstrapaziert wird, so sind wir doch auf dem Standpunkt, dass wir Neues nur dann angehen, wenn es sich für uns korrekt anfühlt. Die Story soll sich von sich heraus entwickeln. Am Anfang waren es nur 45 Autos und ein paar hundert Menschen in Venice, und bereits da war für mich klar: Die Marke »Luftgekühlt« soll sich selbst entwickeln dürfen. Das birgt natürlich eine gewisse Gefahr, aber es erlaubt auf der anderen Seite eben auch den Menschen, die Zukunft zu gestalten.

Was war für Dich die größte Überraschung bei »Luftgekühlt«?

Die größte Überraschung für uns war München. Wir hätten niemals gedacht, dass wir in so kurzer Zeit so viel Feedback erhalten würden. Und es war für uns auch ein deutliches Signal, dass uns mehr als nur Kalifornien wahrnimmt.

Was begeistert einen Rennfahrer ausgerechnet an der alten Technik?

Einen luftgekühlten Elfer fahren ist Fahren pur. Da ist keine Zeit, um irgendwelche Knöpfe zu drücken oder zu telefonieren. Mein Fokus ist voll und ganz auf das Fahren gerichtet. Natürlich ist mir am Steuer auch stets bewusst, dass die Sicherheit nicht den Standard eines Neuwagens hat, es ist eine Flucht vom Normalen. Und das ist es, was ich suche, denn als Rennfahrer bin ich normalerweise immer von der neuesten Technik und den besten Ingenieuren, Technikern und Mechanikern umsorgt. Geschwindigkeit ist für mich normal. Deshalb genieße ich es umso mehr, langsam zu fahren, aus dem Fenster zu schauen, ich fühle mich dann wieder wie ein Kind. Mein Fahrstil ist dann mehr so relaxed. Ich lebe in diesem Moment. Es geht wieder darum, aus Genussgründen zu fahren, nicht wie im Rennen, um zu gewinnen.