Optisch dramatisch: Michael Mauer über das Porsche Design

Ein Porsche ist ein Porsche ist ein Porsche. Das galt schon damals, 1949, als sich Porsche mit dem Typ 356 und Typ 356 Coupé erstmals auf dem Genfer Automobilsalon als eigenständige Automarke einem internationalen Publikum präsentierte. Und das gilt heute, 70 Jahre später, wenn Porsche so ziemlich zur selben Zeit und exakt am selben Ort das neue Elfer Cabrio sowie die Modelle 718 Cayman T und 718 Boxster T vorstellt. Aber was macht einen Porsche denn nun eigentlich aus, so rein optisch gesehen? Wir haben bei Chefdesigner Michael Mauer nachgefragt.

Text: Michael Mauer Foto: Porsche 04.03.2019 3 min

»Die drei wichtigsten Dinge im Automobildesign sind: erstens: die Proportionen. Zweitens: die Proportionen. Und drittens: die Proportionen. Bei einem Porsche sind es immer die Proportionen eines Sportwagens. Hier ist das Breiten-Höhen-Verhältnis ganz anders als bei anderen Fahrzeugtypen. Bei Porsche sind sie nicht nur dynamisch – ich sage dazu immer: sie sind dramatisch.«

»Die Porsche Design-Strategie basiert auf zwei Säulen: Das eine ist das Thema Markenidentität, das andere die Produktidentität. Markenidentität heißt: Ich erkenne, dass es ein Porsche ist. Produktidentität heißt: Ich erkenne, welcher Porsche es ist.«

»Die Markenidentität von Porsche drückt sich in bestimmten Merkmalen aus, die sehr deutlich zeigen, dass es ein Porsche ist. Wenn man sich zum Beispiel den Schnitt über die Fronthaube anschaut, stellt man fest, dass die Kotflügel höher sind als die Haube. Oder die Dachlinie, unsere Flyline, die nach hinten abfällt. Vom Heck aus gesehen sind es die Schultern über den hinteren Kotflügeln und das Leuchtenband, das sich über die gesamte Rückfront zieht.«

»Bei der Produktidentität spielen die Hauptscheinwerfer eine große Rolle, weil hier parallel auch die Markenidentität verankert ist. Auf der Produktseite charakterisiert die äußere Form das Fahrzeug: Beim Elfer sind sie rund, beim Panamera eher elliptisch, beim Mission E flach. Jeder hat seinen eigenen Charakter. Das Verbindende, die Markenidentität, ist das Vier-Augen-Prinzip.«

»Natürlich ist Porsche immer das Gesamterlebnis. Macht der Sound 90 Prozent aus oder nur zehn? In jedem Fall ist ein Sportwagen mehr als sein Sound. Wenn Sie den – akustisch und optisch – lauten Auftritt wollen, ist Porsche die falsche Marke. Viele Studien sagen, dass Design der Kaufgrund Nummer eins ist. Es gibt aber auch das Thema Beschleunigung, es gibt die G-Kräfte, die Art, wie er um die Ecke geht. Wir müssen überlegen, wie wir das, wofür unsere Marke steht, in die Zukunft übertragen. Wenn ich einen elektrischen Antrieb habe, heißt das nicht, dass ich keine Emotionalität entfalten kann. Im Gegenteil.«

»Die Farbe ist extrem wichtig, weil man damit den Charakter eines Autos verändern kann. Sportwagen haben tendenziell kräftige Farben. Was aber beim Elfer toll funktioniert, ist, dass sich die Charaktere eines Targa, Turbo, GTS oder GT3 RS durch Farbe unterstützen lassen. In Dunkelblau, mit einer Seitenscheibenleiste und den Felgen in Chrom, wird er zum eleganten Auto, in Lizardgrün mit Leisten und Felgen in Mattschwarz zum Renner.«