All translations for this page: Other translations for this page:

Lem 911: »Das Auto hat mich komplett umgehauen!«

Stillsitzen und schweigen? Kann Maxime ganz schlecht. Sagt er selbst. Langweilige Autos fahren? Kann er auch nicht. Sagen wir nach dem Blick auf seinen 911 ST. Ist aber auch wenig überraschend, wenn man gerne Lost Places besucht und Eishockey mag. Denn dann brauch man offensichtlich den Nervenkitzel. Wir haben mit dem jungen Belgier gesprochen - natürlich über Porsche, aber auch außergewöhnliche Kofbedeckungen und andere Dinge.

Interview: Marko Knab Foto: Julien De Backer 15.09.2020 7 min

Hallo Maxime! Wir haben da ein paar Bilder gesehen: Du vor einem Wasserfall, ausgerüstet mit einer Angelrute und Deinem klassischen Elfer. Warum ist der 911 das perfekte Auto für einen Angler?

Haha, ich liebe diese Frage! Die Geschichte hinter diesem Angel-Fotoshooting rührt von dem Hut, den ich auf den Bildern trage. Ich habe ihn aus dem Urlaub in Florida mitgebracht und bewahre ihn immer in meinen Autos auf – um ihn dabeizuhaben, wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin. Manchmal trage ich ihn auch auf Partys, nur um zu sehen, wie die Leute reagieren. Ich bin ein kleines bisschen verrückt! Dieser Insider-Witz ist auch der Grund hinter den Bildern. Wir sind dort gelandet, weil ich immer coole Locations suche, um meinen 911 zu parken. Die Grundidee ist, den Elfer an Orten abzustellen, an denen er nicht sein sollte. Ich verbringe echt eine Menge Zeit damit, diese Spots zu finden!

Welches Modell fährst Du genau? Auf den ersten Blick sieht es aus wie der seltene 911 ST aus der ersten Modellgeneration...

In der Tat, es ist ein 911 der ersten Generation und kein Backdate! Die Basis ist ein 911 T mit einem Karmann-Chassis von 1970. Jetzt ist es ein 911 ST, und ich wage zu behaupten, dass er den 23 oder 24 Autos, die zwischen 1970 und 1971 gebaut wurden, ziemlich nahekommt. Wir wollten mit dem Umbau den Spirit treffen, den Porsche damals hatte. Und erfahren, wie es sich in den 70er-Jahren so angefühlt hat.

Die Siebziger sind aber schon ein bisschen her. Was ist Deine ganz persönliche Geschichte mit der Marke Porsche?

Es ist der Klassiker: Ich habe einfach einen leidenschaftlichen Vater, der eine Menge über die Marke weiß. Ich bin gerade erst am Anfang meiner Geschichte mit diesem 911 ST …

Wie habt ihr zwei euch denn gefunden?

Mein Vater ist ein Porsche Purist. Er ist quasi meine »Porsche Bibel«, und immer wenn ich eine Frage habe, gehe ich zuerst zu ihm. Mit so einem Vater kann man am Ende nur ein Porsche Fanatiker werden! (lacht) Tatsächlich haben der 911 ST und ich uns schon vor langer Zeit kennengelernt: 2008, als der Umbau von einem T auf den ST erfolgte. Es hat nicht sofort geklickt – eines Tages habe ich meinen Vater dann aber gefragt, wie man so einen Elfer richtig fährt. Also sind wir ein bisschen rumgefahren – und der 911 ST hat mich komplett umgehauen. Seit diesem Tag kann ich glaube ich behaupten, dass ich »Crazy about Porsche« bin!

Umgebaut wurde der 911 T, weil mein Vater etwas anderes als Rundstreckenrennen wollte. Bei RennSportsClassic in Belgien haben wir ihn deshalb konvertieren lassen – wobei wir die Originalfarbe und einige andere Teile beibehalten haben. Nach ein paar Jahren, während denen er bei vielen Rallyes gefahren wurde, ging mein Vater zurück auf die Rundstrecke. Das Auto stand also plötzlich wieder in unserer Garage. Und jetzt lebt er sein drittes Leben mit mir – und ich genieße es!

Eine nicht ganz alltägliche Geschichte – der Look Deines 911 ist aber auch außergewöhnlich. Hat es einen besonderen Grund, dass er in den »Gulf«-Farben lackiert ist?

Die »Gulf«-Lackierung folgte ein paar Jahre nach dem Umbau. Mein Vater und ich lieben solche Rennlackierungen, und so kamen wir auf die Idee, das Gulfblau und die zwei zusätzlichen CIBE-Scheinwerfer dazuzupacken

Hast Du sonst noch etwas an Deinem 911er umgebaut?

Ja, eine Menge! Anfangs war es ein einfacher 911 in »Mandarin«. Jetzt ist der Motor aber ein 3,2-Liter-Aggregat mit Doppelzündung – nicht was früher in den ST’s drin war, dafür aber ziemlich zuverlässig und lässiger zu fahren. Ein Fünf-Gang-Getriebe und einen Vergaser PMO 46 mm stecken ebenfalls unter der Haube. Am Ende macht das zusammen gut 278 PS auf 911 kg – ohne die Ersatzräder und andere Sachen. Zusätzlich sind noch ein Rennfahrwerk von Bilstein, ein Sechs-Punkt-Überrollbügel, Recaro-Sitze und ein MOMO »Prototipo«-Lenkrad drin. Bei den Rädern haben wir uns wiederum für Minilite-Felgen entschieden – anstatt Fuchsfelgen, die eigentlich der Standard für den ST waren. Die heben wir uns für das nächste Projekt auf!

Warum ist ein 911er eigentlich das perfekte Auto für einen Roadtrip?

Warum ein 911er das perfekte Auto für einen Roadtrip ist? Weil es ein Porsche ist, haha! Ich meine: Er ist zuverlässig, schnell auf der Autobahn, gebaut für kurvige Straßen und sieht gut aus.

Was macht einen Porsche für Dich sonst noch besonders?

Ein 911 hat den Motor an der »falschen« Stelle, das macht ihn anders und durchaus besonders zu fahren – geschweige denn, ihn vollkommen zu beherrschen. Um ehrlich zu sein: Ich genieße den 911 ST so sehr, weil er mir immer noch ein bisschen Angst einjagen kann! (lacht)

Fährst Du Deinen 911 ST auch im Alltag?

Aktuell nicht, aber ich schaue täglich nach einem 996 4S oder Turbo. Ich denke, dass es die besten Angebote sind, die man derzeit auf dem Porsche Markt bekommen kann.

Als junger Porsche Enthusiast: Wie kann man sich den Traum von einem klassischen Sportwagen erfüllen?

Ich werde dieses Jahr 25 Jahre alt und mein 911 ganze 50. Einmal bin ich zu einem Autotreffen gefahren, auf dem hauptsächlich neue Sportwagen zu Gast waren. Die Leute haben meinen »alten« und lauten 911 abgefeiert. Ich komme mit einem Auto, das man von einem 24-Jährigen nicht erwarten würde: doppelt so alt wie er, eine klassische Lackierung und drei Auspuffrohre. Und ich mache verrückte Sachen mit einem Auto, das für manche ein reines Sammelobjekt wäre. Aber sind wir ehrlich: In Belgien ist es viel billiger, einen Klassiker zu fahren. Mir gefällt auch die Tatsache, dass man die Straße spürt! Alles auch schon ohne mit 200 km/h zu fahren.

Die perfekte Straße, um Deinen 911 zu fahren?

Kurvige Bergstraßen, keine Frage!

Und der perfekte Soundtrack dazu?

In einem alten Auto muss es John Denver mit »Take Me Home, Country Roads« sein! Es erinnert mich an so viele gute Sachen – und es ist total ungewöhnlich, einen jungen Kerl in einem alten Auto zu sehen, der sich auch noch dieses Lied gibt! (lacht) In einem neuen Auto würde ich wiederum zu Eric Prydz mit »Opus« tendieren.

Drei Dinge, ohne die Du nicht aus dem Haus gehen kannst?

  1. Eine Flasche Wasser. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich trinke nur Wasser und habe meine eigene Flasche immer bei mir. Und mit »immer« meine ich wirklich »immer«!

  2. Meine GO PRO – man weiß ja nie, was kommt!

  3. Last but not least: natürlich meine »Crazy About Porsche«-Mütze!

More Information:

Instagram @lem_911