Leicht gemacht

Kompromisslos wird in der heutigen Zeit ja als inflationär fast alles bezeichnet, was ein paar PS mehr hat und seine Sportlichkeit unterstreichen will. Im Falle des 909 Bergspyder trifft das Wort ausnahmsweise zu. Obwohl, eigentlich ist es hier eine Untertreibung.

Text: Jack Weil Foto: Helge Jepsen 1 min

Es gibt heutzutage Motorräder, die schwerer sind als dieser Porsche, die Honda Gold Wing (mind. 379 Kilogramm) zum Beispiel. Ein Formel 1-Renner muss mit Fahrer zu jeder Zeit auf der Strecke sogar Minimum 733 Kilogramm wiegen. Nie zuvor und nie danach hat Porsche das Thema Leichtbau so konsequent und kompromisslos umgesetzt wie im Falle des Porsche 909 Bergspyder von 1968. Gerade mal 375 Kilogramm Trockengewicht soll dieser Porsche auf die Waage gebracht haben. Die genaue Zahl hielt der damalige Entwicklungsleiter Ferdinand Piëch unter Verschluss. Dabei wurde der Bergspyder von einem V8-Motor angetrieben, mit zwei Litern Hubraum und 275 PS – luftgekühlt, versteht sich. Denn Luft war den Ingenieuren gewichtstechnisch am liebsten. Im Grunde war Luft das »Idealmaterial«. Es hält sich das Gerücht, Piëch sei mit einem Magneten um das Auto gelaufen, und überall dort, wo sein Magnet haften blieb, wies er seine Ingenieure an, ein leichteres Material zu finden. Daraus resultierten teils wegweisende, teils auch ein paar skurrile Lösungen:

  • ein Aluminium-Gitterrohrrahmen
  • Federung (vorne) aus Titan
  • Bremsscheiben aus Beryllium (sehr teuer, daher nur an einem der beiden Fahrzeuge verbaut)
  • ein aus Titan gefertigter Druckspeicher für 15 Liter Benzin, in dem eine Gummiblase unter 10 bar Druck gesetzt wurde, um so Kraftstoffbehälter und Benzinpumpe zu sparen
  • die Widerstände für die Zündanlage waren auf leichtem Balsaholz befestigt