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Into the green wide open

Grün? Ist das Leben. Vital, offen, frisch, agil. Ein bisschen wie ein lizardgrünes Carrera 4S Cabrio, das in diesem Zusammenhang nicht nur als Studienobjekt, sondern auch als kreativer Katalysator fungiert. Bei einer Fahrt ins Grüne. Natürlich.

Text: Jack Weil Foto: Marko Knab · ramp.pictures 10.07.2020 4 min

Grün ist energetisch, hat Kraft, lebt. Grün ist die Symbolfarbe des Lebens, mit Grün kommt Bewegung, Dynamik ins Spiel. Diese Symbolik ist so international wie die Erfahrung. Das Gesunde wird sowieso mit Grün signalisiert, aber wer dann Grün, die Farbe des pflanzlichen Lebens, mit Rot, der Farbe des animalischen Lebens, kombiniert, der mixt einen Farbklang, der die Botschaft von Vitalität pur mit Lichtgeschwindigkeit quer durch unsere Instinkte schießt.

Grün atmet frisch, ist offen. Die Sprache bildet es ab. Frisch ist das Gegenteil von konserviert, zubereitet, getrocknet. »Grünes Holz« ist frisches, nasses Holz; in England gibt es »Green Meat« – kein grünes, sondern frisches Fleisch. Eine »Green Machine« ist nicht unbedingt eine grüne Maschine, sondern fabrikneu. Und eine »Green Track« ist keine besonders grüne Rennstrecke, sondern eine, die von einem Regenschauer sauber gewaschen wurde und – ohne Gummiabrieb oder Verschmutzung – frisch ist. Sicher, ein »Evergreen« kann als musikalischer Hit zwar alt, aber nie altmodisch sein. Was grün ist, wird also als frisch empfunden. Ein grün gefärbtes Parfüm suggeriert einen frisch-herben Duft.

Grün ist die Farbe des Frühlings und des Sommers. Weiß-Grün ist der Farbklang des Anfangs. In vielen alten Sprachen steht die Formulierung »in grünen Zeiten« für wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Im Christentum? Ist Grün die Farbe der Auferstehung. Und damit die Osterfarbe. Grün ist aber auch die heilige Farbe des Islam. Der Prophet Mohammed soll sich vornehmlich in Grün gekleidet haben. Grün ist auch fruchtbar, in China wird der grüne Schmuckstein Jade als Symbol für genau diese Fruchtbarkeit und als schönster Stein überhaupt verehrt. Warum? Weil der Jade den Himmelsdrachen verkörpert, Inbegriff männlicher und himmlischer Lebenskraft.

Und welche Farbe tragen auch Echsen? Richtig! Grün! Weil es auch die unmenschlichste Farbe ist. Etwas mit grüner Haut kann eine Schlange oder Echse, aber eigentlich nichts Menschliches sein. »Lizardgrün«? Energisch! Agil, schnell, zupackend. Aber bei allem Elan auch sinnlich. Im Mittelalter war Grün schließlich die Farbe der beginnenden Liebe. Noch etwas früher, geschichtlich also grüner, und bei den Römern war es die Farbe der Venus, der Göttin der Liebe. Grün steht auch für Nachhaltigkeit und Verantwortung. Und die Umwelt. Grün gleicht aus, beruhigt, wenn es uns begegnet. Alles im grünen Bereich, nur hoffentlich nicht immer auch auf dem Drehzahlmesser.

Und trotzdem erfreut Grün das Auge, vor allem ohne es zu ermüden. Denn im grünen Bereich hat der Sehsinn seine höchste Empfindlichkeit. Ist alles im grünen Bereich, dann ist alles wie gehabt und im Rahmen. Nur nicht der grüne Blitz. Ein Naturphänomen, alles andere als gewöhnlich. Auch grüner Strahl genannt, entsteht er bei Sonnenauf- und Untergang und ist am oberen Rand der Sonne zu erkennen. Wenn das Licht nahe dem Horizont besonders stark bricht und den grünen Spektralanteil freigibt. Wenn man ihn sieht, denn selten ist er. Noch seltener? Ist wahrscheinlich nur das Phänomen der grünen Ampel im Straßenverkehr.