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In Vitra veritas: Virgil Abloh x Vitra

Zeit und Geschmack? Beides relativ. Guter Stil dagegen? Ist zeitlos. Aktuell beweisen das zwei kreative Ikonen mit einer viel beachteten Kooperation: Die Schweizer Einrichtungsfirma Vitra und der Designer Virgil Abloh zeigen auf dem hauseigenen Campus in Weil am Rhein ihre Vision vom Wohnen im Jahr 2035.

Text: Marko Knab Foto: Vitra 17.07.2019 2 min

Wie wird man eine zeitlose Stilikone und ist auch 2035 noch relevant? Virgil Abloh hat eine mögliche Antwort: »Eine zentrale Säule meines Schaffens im Bereich des Designs war immer, die Vergangenheit zu kommentieren, um das Gestalterische damit in seine eigene Zukunft zu führen.« Abloh ist Artistic Director der Männermoden bei Luis Vuitton, daneben noch Chef seines eigenen Labels Off-White und gefeierter DJ. Das Time Magazine benannte ihn 2018 als einen der hundert einflussreichsten Menschen der Welt. Zusammen mit der Einrichtungsfirma Vitra liefert er nun quasi den performativen Beweis für seine Design-These.

Als Basis dient dem amerikanischen Multitalent dabei die persönlich gefärbte Wohnbiografie eines fiktiven Teenagers aus dem Jahr 2019, den er mit seiner Installation TWENTYTHIRTYFIVE ins Jahr 2035 begleitet. Anhand der zwei Teile »Past/Present« und »Tomorrow« thematisiert Abloh die Wechselwirkung zwischen dem heranwachsenden Menschen und seiner häuslichen Umgebung. Die findet ihren Platz in dem Feuerwehrhaus auf dem Vitra-Campus, das Zaha Hadid entworfen hatte. Hier verhandelt er Fragen nach dem Einfluss von technologischem Wandel, Nachhaltigkeit, Dematerialisierung und Überfluss.

Als Einrichtungsgegenstände verwendet Virgil Abloh unterschiedlichste Möbel und Objekte, darunter auch Entwürfe von Charles und Ray Eames, Eero Aarnio oder Jean Prouvé – teilweise in ihrer originalen Version, teilweise verfremdet. Er orientiert sich dabei an seiner eigenen Maxime des Designs und führt aus verschiedensten Eindrücken, die das imaginäre Alter Ego in der Kindheit erfuhr, eine moderne Interpretation des Wohnens zusammen.

Besonders interessiert hat ihn dabei die Auseinandersetzung mit der Arbeit des französischen Designers Jean Prouvé. Dessen Sessel »Antony« und die Lampe »Petit Potence« – beides Vitra-Klassiker – hat er für die Ausstellung neu interpretiert und mit seinen 999 »Ceramic Blocks«, sozusagen die symbolischen Bausteine der Ausstellung, als kleine, nummerierte Auflage lanciert.

Zeitlos schön, finden wir. Allerdings mit einem Haken versehen: Die limitierte Kleinserie ist leider bereits vergriffen.