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»Ich will die Leidenschaft mit den anderen Fahrern teilen!«

Gmünd in Kärnten ist tief in der Porsche Geschichte verankert. Als Geburtsort der »Nr. 1«, aber auch als Heimat des einzigen privaten Porsche Museums. Gegründet von der Familie Pfeifhofer, die selbst aus dem Ort stammt. Und die feiert kommende Woche, am 18. Mai, das 38-jährige Bestehen ihrer einzigartigen Sammlung. Genau die richtige Zeit für ein Gespräch mit dem Museumsleiter Christoph Pfeifhofer, finden wir.

Text: Susanne Marack & Marko Knab Foto: Sarah Sertschnig 11.05.2020 8 min

Unweit von der Tauernautobahn in Richtung Süden, umringt von traumhaften Bergstraßen und eingebettet in österreichische Landschaftsidylle, da liegt Gmünd in Kärnten. Der Ort, an dem ab 1944 nicht nur die Porsche Konstruktionen Ges.m.b.H. saß, sondern auch der Ort, an dem der legendäre Sportwagen »Nr. 1«, der erste Porsche 356, entwickelt und gebaut wurde. Insgesamt 44 Coupés und acht Cabrios vom Typ 356 wurden hier bis zum Rückzug nach Stuttgart der hier entstandenen Automobilmarke Porsche gefertigt. Und viele legendäre Konzepte wie der Cisitalia Tipo 360 entstanden bis 1950 im Ort am Rande der Alpen. Doch auch heute findet sich hier in der malerischen Landschaft noch ein Hotspot für Porsche Fans und Fahrer: das Porsche Museum Gmünd, das von der Familie Pfeifhofer vor gut 38 Jahren ins Leben gerufen wurde und heute noch mit ebenso viel Passion wie bei dessen Gründung betrieben wird. Heute von Christoph Pfeifhofer als Museumsdirektor. Auf ein Wort mit dem Markenspezialisten im »Home of Porsche«.

Hallo Herr Pfeifhofer! Was macht Ihr privates Museum in Gmünd so besonders in der großen Porsche Welt?

Das Museum wurde von meinem Vater, Helmut Pfeifhofer, 1982 als erstes und einziges privates Porsche Museum gegründet und trägt dieses Prädikat auch heute noch. Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit den Kollegen vom Porsche Museum in Stuttgart die Geschichte der Marke auch weit über deren Jahre in Gmünd ausgebaut zu haben und nun bis hin ins 21. Jahrhundert erzählen zu können. Seit 1992 gibt es auch eine sogenannte Museumsstraße. Das heißt, wir bekommen immer wieder interessante Exponate aus dem offiziellen Werksmuseum in Stuttgart, die wir dann in einer Sonderausstellung zeigen.

Welches wäre das perfekte Fahrzeug aus Ihrer Sammlung, um auf einer »realen« Museumsstraße bis nach Zuffenhausen zu fahren? Und auf welchen Stopp würden Sie sich bei so einer Fahrt am meisten freuen?

In unserer Kollektion befinden sich mehr als fünf Dutzend fahrbereite Fahrzeuge, von denen schon einige des Öfteren über die »reale« Museumsstraße nach Stuttgart gefahren sind. Am spannendsten, gerade mit Zwischenstopps auch auf den Spuren der Familie und Marke Porsche, wäre die Fahrt aber wohl mit einem Typ 356. Nicht die schnellste Art, die mehr als 500 Kilometer nach Zuffenhausen zurückzulegen, aber sicherlich die originellste und schönste, Automobilkultur entlang des Weges von Porsche auch auf der Straße zu erleben.

Was ist Ihre eigene Geschichte mit der Marke?

Die Passion zu Porsche wurde mir sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Für mich beherbergt das Leben mit der Marke jedoch noch einen sehr wichtigen weiteren Aspekt: den Motorsport. Ich selbst fahre seit 1995 mit unterschiedlichen Porsche Modellen Rennen und konnte mir vor einigen Jahren einen besonderen Traum realisieren: einen Porsche 965 Turbo S LM GT. Jedoch habe ich ihn nicht als fertigen Rennwagen gekauft, sondern erst mal in Form einer Ersatzkarosse für die 1993er-Langstreckenrennen in Le Mans und Sebring. Auch die weiteren Teile habe ich mit meinem Team in der ganzen Welt zusammengekauft und dann gemeinsam von Grund auf aufgebaut. Nach nicht einmal zwei Jahren Projekt konnten wir 2017 die ersten Testfahrten absolvieren – seither ist der »Brumos« mein Hauptauto auf der Strecke. Vorrangig bewege ich das Fahrzeug im Austria Histo-Cup, wo ich auch schon erste Siege damit einfahren konnte. Beim Rennen geht es mir aber nicht nur ums Gewinnen – wichtig ist mir, genauso wie zu Hause im Museum, auch hier, die Leidenschaft mit den anderen Fahrern und Teams zu teilen.

Apropos Leidenschaft: Ihr Vater hat das Museum am 18. Mai 1982 gegründet. Woher kam die Idee, eine eigene Ausstellung aus der Taufe zu heben? Und was verbindet Ihre Familie mit der Marke Porsche?

Der Markenbezug war auch bei meinem Vater schon früh da. Als kleiner Junge ging er mit den Kindern der Porsche Konstrukteure in die Schule, später arbeitete er als Antiquitätenhändler und kaufte sich in den 60ern privat den ersten 356, den er aufwendig restaurierte. Nur wenige Jahre später verband er Beruf und Leidenschaft, erweiterte seine Automobilsammlung und gründete das Museum. Die gemeinsame Heimat unserer Familie und der Marke Porsche, die Liebe zum Automobil und das Netzwerk meines Vaters waren die perfekte Basis, auch dem Ursprungsort unserer Lieblingssportwagen wieder Leben einzuhauchen!

In Ihrem Museum steht dabei auch Österreichs erster und einziger Polizei Porsche 911. Wie sind Sie an diese Rarität gelangt?

Der Polizei Porsche war 2006 ein Geschenk der Firma Porsche Austria an die österreichische Bundespolizei. So viel Freude, wie ein 911 Carrera dem privaten Besitzer bereitet, so wenig praktisch zeigte sich dieser jedoch im Polizeibetrieb. Unsere Freunde und Helfer konnten in dem Coupé weder Dienstmaterial wie Pylonen zum Absperren, noch aufgegriffene Alko-Lenker mitnehmen. Auch wegen der hohen Unterhaltskosten wurde der Polizei Porsche viel diskutiert in Österreich. Wir hatten schließlich die Möglichkeit, das Auto für unser Museum zu erwerben, wo es heute einen ganz besonderen Ehrenplatz hat und viele Porsche Enthusiasten sich daran erfreuen können.

Haben Sie auch ein persönliches Lieblingsexponat? Wenn ja, was zeichnet den Reiz daran aus?

Aber selbstverständlich! Mein Favorit unter den ausgestellten Fahrzeugen ist der 20. je gebaute Porsche Sportwagen: das 356 Gmünd Coupé mit der Fahrgestellnummer 356 0020. Wir sind sehr stolz auf dieses Exponat und stellen es im Museum neben dem Holzmodell des ersten 356-Gmünd aus. Soweit nachvollziehbar ist unser Gmünd-Coupé der weltweit acht-älteste bekannte Porsche – das ist in der Tat besonders. Die Geschichte des Fahrzeugs ist quasi zu spüren, wenn man nur davorsteht. Wo er gefertigt wurde, können die Besucher unseres Museums auch sehen. Von dem ursprünglichen Konstruktionsbüro und Gmünder Werk ist das Pförtnerhaus noch erhalten. Es befindet sich ebenfalls im Besitz unserer Familie.

Vom Typ 356 0020 Alu über einen schwimmfähigen Jagdwagen bis hin zu Rallye- und Rennwagen findet man in Ihrem Museum so ziemlich alles, was die Porsche Klassik-Welt zu bieten hat. Wie stehen Sie denn zu den neuen Modellen? Etwa dem 992 Turbo S?

Natürlich liegt der Fokus unseres Museums mit auf den klassischen Porsche Modellen und insbesondere dem Porsche 356. Auch Exponate wie unseren straßen- und wassertauglichen Schwimmwagen findet man in kaum einem Museum. Aber wie man auch im oberen Stockwerk unseres Museums und in unserer neuen Halle sieht, finden sich auch einige moderne 911 in unserer Kollektion. Meine Passion gilt hier besonders den 911 GT3 RS-Modellen, aber auch speziellen Rennfahrzeugen. Sobald der 992 in der Entwicklung seinen Weg von der Straße auf die Rennstrecke gefunden hat, freuen wir uns auch, die neueste Generation 911 in unserem Museum zu begrüßen!