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Hoch-Kultur: das Juliertheater

Nicht nur der Weg ist das Ziel: auf dem Julierpass gibt es mit dem »Origen-Turm« auch kurz vor Ende des Wegs einen sehenswerten Halt. Sicher, die Fahrt auf der kurvigen Bergstraße macht an sich auch Spaß, aber auch das hochalpine Theater- und Konzertgebäude kurz vor der Passhöhe überzeugt mit besonderer Linienführung.

Text: Marko Knab Foto: Kirill Kirsanov · ramp.pictures 06.10.2020 2 min

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Nur konsequent, dass der Giovanni Netzer für seinen markanten Theater- und Konzertturm den Julierpass ausgewählt hat: Gewundene Straßen treffen hier auf klare Linien aus Holz, kräftiges Rot auf natürliches Grün und menschgemachte Klänge auf die Ruhe der Berge. Aber warum ein 30 Meter hohes Kultur-Monument kurz vor der Passhöhe errichten? Um ein »Symbol der Einheit von Natur und Kultur« zu schaffen, wie der Macher selbst auf der Website des Projekts erklärt. Wie die zwei eigentlich gegensätzlichen Welten zusammengebracht werden? Mit den vielen klaren Linien des Zehnecks, offener Architektur und großen Fenstern, die im Inneren des hochkulturellen Gebäudes für viel und markantes Licht sorgen. Und damit für das unmittelbare Einwirken der Natur auf die zentrale Spielfläche der besonderen Konstruktion.

Neu ist die Idee eines Gebäudes auf dem Julierpass dabei nicht: Bereits die Römer errichteten einen Jupitertempel auf der Passhöhe, auch im Mittelalter wurde so manche Kapelle dort gebaut. Und 2017 dann der Turm, entstanden im Rahmen des »Origen«-Projekts. Mit dem rätoromanischen Wort für »Ursprung« und dem Konzept dahinter will Netzer das Theater dorthin bringen, wo es aus seiner Sicht hingehört: in die Welt zurück. Und eben in die Natur und auf den Julierpass. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Der Weg des Turms neigt sich womöglich seinem Ende zu – denn die Spielstätte war nur bis zum Ende des Jahres 2020 angelegt. Ursprünglich – denn vielleicht gibt es ja noch eine Zugabe.