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Into the wild: ein Porsche Abenteuer

Der perfekte Tag? Sieht für jeden anders aus. So schöpft etwa der eine Lebensfreude aus dem Brabbeln seines Sechszylinders, während sich der andere beim Camping Ruhe und Naturverbundenheit erhofft. Und dann ist da noch Brock Keen. Der Abenteurer aus Portland, Oregon, schätzt die Kombination aus beidem und hat sich deshalb ein Zelt auf seinen 996 montiert. Das wirft Fragen auf.

Interview: Alexander Morath Foto: Brock Keen 30.08.2019 9 min

Woher kommt Deine Leidenschaft für Porsche?

Die Begeisterung für die Sportwagen aus Zuffenhausen reicht bis in meine Kindheit zurück. Allerdings war der Auslöser, im Unterscheid zu vielen anderen Porsche Verrückten, nicht der Elfer. Ich muss so acht oder neun Jahre alt gewesen sein, als ich mit einem grauen 928er in Berührung gekommen bin. Er gehörte den Eltern einer Schulfreundin, und da ihr Vater Landwirt war, parkte er den Sportwagen in der Ecke seiner Scheune. Das Auto war immer abgedeckt und ich war mir zunächst nicht sicher, was sich überhaupt unter der Abdeckung befand. Doch die vage erkennbare Form sprach mich sofort an. Eines Tages dann, ich wartete auf meine Freundin und ihre Mutter, die uns zum Jahrmarkt fahren wollte, tauchten die beiden vor unserer Einfahrt auf – im 928. Was folgte, war die erste Fahrt in einem Porsche. Ich saß fest angegurtet auf dem Rücksitz und kann mich noch haargenau daran erinnern, wie ich mich nach vorne lehnte, um auf den Tacho zu spicken. Die Nadel war im dreistelligen Bereich und die Beschleunigung so enorm, dass ich das Gefühl hatte, als säßen wir in einer Rakete.

Schöne Kindheitserinnerung …

Nun, meine Eltern wären von der Spritztour vermutlich wenig begeistert gewesen. Ich allerdings war von diesem Moment an Feuer und Flamme für Porsche. Es dauerte nicht lange, bis ich den 930er in der »Flachbau«-Variante für mich entdeckte, danach stand für mich fest: Es kann nur einen Sportwagen geben – den Porsche 911. Nach sieben Jahren dann ein weiteres Schlüsselerlebnis: Der Vater eines Kumpels nahm mich mit in seinem RUF 964 Turbo. Es war die großartigste Erfahrung, die ich bis dahin mit einem Auto gemacht habe. Meine Begeisterung für Porsche brachte mich dann recht schnell zu dem Entschluss, mir irgendwann selbst einen 911 zuzulegen. Es folgte jedoch erst einmal ein Boxster von 1997, dann ein 2002er Turbo und ein 993 C4S. Nachdem der 993 aus meinem Leben getreten war, war ich einige Zeit porschelos. Viel zu lange! Deshalb gingen meine Frau und ich vor ein paar Jahren wieder auf die Suche nach einem passenden Modell. Wir hatten nicht speziell den 996 im Auge, doch als wir auf ein entsprechendes Angebot stießen und der inserierte 996 Carrera 4S so ziemlich alle Punkte unserer Checkliste erfüllte – und dazu noch der Preis ins Budget passte –, nun, da haben wir nicht lange gezögert. So begann die Geschichte unseres Projekts »996RoadTrip«.

Wie bist Du nach dem Kauf auf die Idee gekommen, Deinen 996 in ein »Wohnmobil« zu verwandeln?

Nun, meine ursprüngliche Absicht war es, unseren Audi S4, den wir das komplette Jahr als Mehrzweck-Tagesfahrer nutzten, durch den Porsche 996 Carrera 4S zu ersetzen. Doch dieses Vorhaben eskalierte auf ein völlig neues Niveau, als ich in unserem lokalen Outdoor-Laden ein Dachzelt zu einem unschlagbaren Preis entdeckte. Ich kaufte es, ohne wirklich nachzudenken – und musste dann leider schnell feststellen, dass ich erst einige spezielle Befestigungsteile hätte bestellen müssen, um es am Dachträger unseres alten Range Rover anzubringen. Nach kurzer Überlegung kam mir als Lösung der Porsche in den Sinn. Da passte der Dachträger. Also fuhr ich nach Hause, tauschte die Autos und ging zurück zum Outdoor-Geschäft, um das Zelt abzuholen. Und was soll ich sagen: Ich habe auf der Heimfahrt viele seltsame Blicke geerntet. Doch diese kleine Herausforderung, das Dachzelt nach Hause zu transportieren, war der Ursprung meiner Idee. Denn wenn das möglich ist, warum sollte es dann nicht auch möglich sein, zwei meiner Lieblingsbeschäftigungen zu kombinieren: sportliches Fahren und Campen.

Klingt nach Abenteuer. Und echter Porsche Leidenschaft …

Ein Porsche ist für mich mehr als nur ein Auto. Es ist eine Lebensweise. Das, was die Marke repräsentiert, hat mich den größten Teil meines Lebens inspiriert. Ich glaube daran, Grenzen zu überschreiten, Risiken einzugehen und Spaß an diesen Dingen zu haben.

Und wie schläft es sich so auf dem Dach eines Porsche?

Sehr bequem, viel bequemer als beispielsweise in einem Zelt auf dem Boden. Das liegt auch an der eingebauten Memory-Schaumstoffmatratze, außerdem gibt es genug Platz, um unsere Bettwäsche mitzunehmen. Ein weiterer Vorteil: Wir müssen uns keine Gedanken über Käfer und anderes Getier machen, die ins Zelt krabbeln wollen.

Vermisst Du etwas?

... um ehrlich zu sein: Eine Toilette wäre manchmal nicht verkehrt. Wenn nachts »die Natur ruft«, bleibt dir nichts anderes übrig, als die Leiter hinunterzuklettern.

Was bietet Dir der 996 im Vergleich zu einem klassischen Wohnmobil?

Sagen wir es so: Was dir der Porsche auf jeden Fall nicht bieten kann, ist viel Platz. (lacht) Aber dieser Umstand wird durch das Fahrerlebnis wettgemacht. Das Handling ist immer noch großartig, da das Zelt sehr leicht ausfällt. Dazu die Auspuffanlage: So etwas, also dieser einzigartige Sound, bekommst du von einem durchschnittlichen Camper nicht geboten. Alles in allem kommt man in den Genuss all dieser großartigen Dinge, die man von einem 911 erwartet, nur kann man sogar noch oben auf dem Dach schlafen. Heißt: Ich genieße die kurvigen Bergstraßen und suche danach einen Campingplatz auf, um mein Zelt aufzubauen und ein Lagerfeuer zu machen. Am nächsten Tag wird dieser Ablauf wiederholt. Das ist meine Vorstellung von einem perfekten Tag.

Wo warst Du mit Deinem 996 schon überall?

An der gesamten Westküste der USA. Wir haben im Elfer bereits um die 30.000 Meilen zurückgelegt.

Der schönste Moment auf Deiner Reise?

Die Porsche Rennsport Reunion in Laguna Seca letztes Jahr. Wir hatten das Zelt noch nicht allzu lange, also dachte ich mir, dass es für einen Praxistest keine bessere Gelegenheit gibt als ein 1.500 Meilen weiter Roadtrip zur 70. Geburtstagsparty von Porsche. Die Route führte mich entlang der malerischen Küsten von Oregon und Kalifornien. Meine erste Nacht verbrachte ich dann im Redwood Forest unter 300 Fuß hohen Bäumen. Lass es mich so sagen: Es gibt auf dieser Welt nur wenige 5-Sterne-Hotels, die dir beim Aufwachen einen derart schönen Ausblick bieten können. Am nächsten Abend erreichte ich schließlich Laguna Seca, und obwohl ich mit meinem 996 Carrera 4S nur einer von vielen gewesen bin, war ich dennoch der Einzige, der ein Zelt auf dem Dach hatte! Fast unnötig zu sagen, dass mich viele darauf angesprochen oder mir schiefe Blicke zugeworfen haben.

Und nach der Party ging’s weiter auf den Campingplatz?

Nicht ganz. Da ich diese Reise sehr spontan geplant hatte, waren zu diesem Zeitpunkt bereits alle Hotels und Campingplätze ausgebucht. Also ging ich auf Risiko. Mein Ziel: der »17-Mile Drive«. Ich hatte Glück, denn die Wache am Tor lächelte mir zu und winkte mich durch. Als die Sonne dann unterging und kaum mehr Leute unterwegs waren, suchte ich mir einen abgelegenen Platz am Strand. In der Nähe eines Aussichtspunktes wurde ich fündig, parkte das Auto und baute das Zelt auf. In diesem Moment wurde mir bewusst: Die Kosten für das Zelt haben sich ausgezahlt – und zwar zehnfach!

Was planst Du für die Zukunft?

Das ist eine sehr schwierige Frage! Ein Roadtrip durch Kanada steht auf jeden Fall ganz oben auf meiner Liste. Aber zunächst einmal geht es durch Idaho, Utah und Arizona. Hier wollen wir einige der besten Nationalparks Amerikas besuchen!

Was muss immer mit?

Unsere komplette Ausrüstungsliste sieht so aus:

  • Schlafsack (für zwei Personen): Big Agnes King Solomon
  • Schlafsack (für eine Person): Big Agnes Anvil Horn
  • Kissen: Roll & GoAnywhere MyPillow
  • Decken: Rumpl Puffy, Pendleton Yakima Camp Blanket
  • Campingstuhl: Helinox Chair One
  • Laterne: UST 30-Day DURO LED
  • Kopflampe: Black Diamond Storm375
  • Campingkocher: Snowpeak LiteMax Stove
  • Kochausrüstung: Cast Iron Skillet, Camp Dutch Oven, Adjustable Tripod
  • Tragbarer Kamin: Snow Peak Pack & Carry Kit, Snow Peak Field Oven
  • Snow Peak-Kochgeräte: Titanium Cookset, Titanium Cups, Titanium Plates
  • Utensilien: Toaks Ultralight Sporks
  • Kaffeemaschine: Snowpeak Titanium French Press
  • Wasserflasche: Platypus Collapsible Water Bladders
  • Multitool: Leatherman Wave+
  • Axt: Snow & Nealley Kindling Axe
  • Tisch: Trekology Portable Camping Table
  • Hartseitiger Kühler: Grizzly 15
  • Weichseitiger Kühler: CleverMade SnapBasket
  • Kamera, um all diese wunderschönen Instagram-Fotos aufzunehmen: Sony A6300

Folgt Brock und seinem Porsche Abenteuer auf Instagram unter @996roadtrip