Gib Volt: Die Formel E nimmt bei Porsche Fahrt auf

Die Testphase ist eröffnet: Porsche hat jetzt seinen Formel E-Renner erstmals auf die Rennstrecke geschickt. Der erste Eindruck: sieht elegant aus in seiner schwarzen Lackierung. Gleicht aber ansonsten der Konkurrenz. Logisch. Denn in der Formel E ist ein Einheitschassis angesagt. Aber: Wo Porsche draufsteht, ist auch Porsche drin.

Text: Bernd Haase Foto: Porsche 07.03.2019 4 min

Das aktuelle Formel E-Rennfahrzeug hört auf den Namen »FE18 Spark Racing Technology« oder kurz »Gen2«. Seit dieser Saison ist es im Einsatz. Rein optisch kommt der Elektroracer mit seinen verkleideten Vorderrädern und den zwei getrennten Flügel-Elementen rechts und links über den Hinterrädern sehr kompakt daher – wie ein optimal trainierter Kampfsportler. Im Vergleich zu den heterogenen Formel 1-Boliden punkten die E-Sportler schon mal in der Disziplin »Design«. Auch bei der Leistung haben sie aufgeholt. Das liegt an der neuen Batterie. Die stammt von McLaren Advanced Technologies (MAT) und kann bis zu 54 Kilowattstunden Energie speichern – so viel wie 8.000 Smartphone-Akkus. Genügend Energie, um den unbeliebten Fahrzeugwechsel der ersten vier Saisons in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken.

So weit, so einheitlich. Spannend wird’s unter der Verkleidung. Sämtliche Antriebskomponenten sind nämlich Eigenentwicklungen. So kann Porsche bei der Entwicklung der Schlüssel-Technologien eigene Wege gehen. Dazu gehören Elektromotor, Umrichter, Brake-by-Wire-System, das die Bremskraft elektronisch und nicht hydraulisch aktiviert, Getriebe, Differenzial, Antriebswellen, die tragende Struktur und die dazugehörigen Fahrwerksteile an der Hinterachse sowie Kühlsystem und Steuergerät.

Besonders Letzteres ist im Rennbetrieb gefordert. Während die Fahrer in den Rennen Rad an Rad um Positionen kämpfen, müssen sie gleichzeitig mit der zur Verfügung stehenden Energiemenge haushalten und zwischendurch immer wieder Energie zurückgewinnen. Denn die maximal erlaubte Leistung im Rennbetrieb wird am Ausgang der Batterie definiert. Die Herausforderung ist die maximal effiziente Nutzung der bereitstehenden Energiemenge über Hardware, Software und manuelles Management durch den Fahrer. Um Energie zurückzugewinnen, wird an der Hinterachse zusätzlich zur Scheibenbremse mit der E-Maschine gebremst.

Auch die Belastbarkeit der Antriebsteile ist von besonders hoher Bedeutung. Denn seit der aktuellen Saison 5 sind alle Antriebskomponenten auf zwei Teilesätze pro Fahrzeug für die gesamte Saison limitiert. Bei einem Schaden, beispielsweise durch einen Unfall, kann einmalig eine Komponente als Joker gezogen und getauscht werden. Wer darüber hinaus weiteren Ersatz benötigt, muss im Ernstfall Strafen hinnehmen.

Das wollen sie natürlich vermeiden, bei Porsche Motorsport. Und sind sich der Aufgabe bewusst. »Im Vergleich zur Serienentwicklung sind die Anforderungen bezüglich Effizienz und Gewicht des Antriebs in der Formel E auf einem ganz anderen Niveau«, betont der Technische Projektleiter Malte Huneke anlässlich des Rollouts. »Nun werden wir uns nach und nach ans Limit herantasten. Das ist essenziell, um in der Formel E zu bestehen.« Werksfahrer Neel Jani, der das Fahrzeug beim Rollout über die hauseigene Porsche Teststrecke in Weissach steuerte, ist auf jeden Fall angetan: »Natürlich sind wir heute noch nicht ans Limit gegangen«, sagte er nach der Jungfernfahrt, »aber der Antriebsstrang und das Fahrzeug machen insgesamt einen sehr guten ersten Eindruck. Ich kann es kaum erwarten, die Testarbeit fortzusetzen.«

Na dann: Gib Volt – oder wie auch immer man in Zeiten des elektrifizierten Motorsports zu sagen pflegt.