All translations for this page: Other translations for this page:

Gestern. Heute. Morgen: Was gutes Design ausmacht.

Was gutes Design ausmacht. Der Eames Plastic Side Chair von Vitra, die AJ-Tischleuchte aus dem Hause Louis Poulsen, die M-Serie von Leica oder das Sesselprogramm 620 von Vitsœ: alles zeitlose Designikonen. Aber was zeichnet sie aus? Und warum sind sie in unserer heutigen, schnelllebigen Welt so wichtig?

Text: Marko Knab Foto: Presse 11.10.2019 4 min

Das ultimative Designobjekt: Für den einen der Porsche 911, für andere die Stühle aus der Feder von Verner Panton, die Nächsten bevorzugen die Leica M10 für diesen Titel. Eine Entscheidung zwischen diesen Ikonen der Designgeschichte? Schwierig. Allen gemein ist dagegen, dass sie klare Linien haben, ein einzigartiges Konzept verfolgen und die Funktionalität in den Vordergrund stellen. Mit anderen Worten: Sie sind »zeitlos«, haben sich seit ihrem Debüt im Konzept gar nicht oder nur in Nuancen verändert. Was aber zeichnet solche Designs aus? Und warum haben sie teilweise noch fünfzig Jahre nach ihrem Erscheinen Erfolg? Eine mögliche Antwort bieten die späten 1970er-Jahre und die zehn Thesen von Dieter Rams.

© Leica

Damals formulierte der langjährige Designer und Architekt der Elektrogerätefirma Braun einfache und prägnante Ansprüche an die Gestaltung. Und die gelten heute noch. Im Kern sagt Rams: »Weniger Design ist mehr, konzentriert es sich doch auf das Wesentliche, statt die Produkte mit Überflüssigem zu befrachten. Zurück zum Puren, zum Einfachen!« Neben den optischen und funktionalen Gesichtspunkten sind die so gestalteten Produkte auch in einer weiteren Hinsicht wertvoll. Wer sich nämlich keiner Mode und somit auch nicht der Zeit selbst unterwirft, wird selbst als zeitlos stilsicher wahrgenommen. Mit Blick auf die beschleunigte Digitalisierung heute immer wertvoller.

© Braun

Im äußersten Nordwesten der Schweiz werden die Rams’schen Thesen vorbildlich gelebt: beim Möbelhersteller Vitra. Wobei »zeitlos« nicht bedeutet, dass sich das Design nicht auch der Zukunft anpasst. Dafür sorgt Raphael Gielgen. Er ist Trendscout bei Vitra und reist in dieser Funktion jährlich rund 200 Tage um die Welt und liest hunderte Artikel. Mit dem Ziel, dass sein Arbeitgeber immer auf der Höhe der Zeit ist und keine wichtigen Impulse verpasst. Gleichzeitig verkaufen die Schweizer dabei aber auch noch den vor fast siebzig Jahren designten »Eames Plastic Side Chair«. Ein Widerspruch?

Keineswegs, denn bei seiner Arbeit ist Gielgen zu dem Schluss gekommen, dass gutes und unvergängliches Design wichtiger denn je ist. Egal ob die eigenen Produkte von Vitra, Rams’ Sesselprogramm 620, die AJ-Tischlampe von Louis Poulsen oder die minimalistische Leica: »In dieser schnelllebigen Zeit suchen die Menschen Dinge, an denen sie sich festhalten können. Deshalb ist gutes Design zeitlos.«

© Vitra

In der sich ständig ändernden digitalen Welt, die Gielgen als »Kulisse« bezeichnet, wird es nämlich immer wichtiger, die Balance zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu finden. Deshalb kommt physischen Dingen mit markanten und bekannten Formen aus seiner Sicht wieder eine größere Bedeutung zu: zwar nicht in Form einer mechanischen Renaissance im Alltag, aber zumindest als Ankerpunkte innerhalb der täglichen Abläufe.

»Zu diesen Produkten können wir emotionale Beziehungen aufbauen, vielleicht auch, weil sie im besten Falle so etwas wie eine Seele haben. Die Sportwagen von Porsche sind dafür ja das beste Beispiel«, erklärt Gielgen. Neben Emotion ist für den Experten dabei aber vor allem auch die räumliche Verortung ein Faktor: sich aufgehoben fühlen.

Was lernen wir daraus? Klare Formen geben dem Leben klare Strukturen.