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German Spoils: Nathan & der 911

Wenn man beruflich für ganze vier Jahre nach Deutschland geht, dann kann man auch gleich sein eigenes Auto mitnehmen. Dachte sich der Amerikaner Nathan Rowland auch und tat genau das – mit seinem schwarzen 911 Carrera. Ein kurzes Gespräch über echte Qualität, den Elfer und dessen Heimat.

Text: Parker Schmidt Foto: Parker Schmidt 02.04.2020 3 min

Hallo Nathan. Erzähl uns doch bitte ein wenig über Dich und Dein Fahrzeug.

Hallo! Mein Name ist Nathan Rowland. Geboren bin ich in den USA – wo ich heute auch wieder lebe. Genauer gesagt in Boise, Idaho. Mitte der 1990er-Jahre war ich aber auch längere Zeit in Deutschland. Ebenfalls dabei war mein Auto: ein komplett schwarzes 911 Carrera Coupé aus dem Jahr 1987. Natürlich auch inklusive dem markanten Turboflügel.

Warum den Elfer mitnehmen? Und was hat Dich nach Deutschland gebracht?

Damals habe ich für die US Army gearbeitet und blieb zunächst ganze vier Jahre in Deutschland. Wenn man schon nach Deutschland zieht, nimmt man natürlich auch sein deutsches Auto mit! Aber mal im Ernst, es war eine perfekte Gelegenheit, um meinen 911 zu genießen. Mit dem Elfer durch diese herrliche deutsche Landschaft zu fahren – das war eine einmalige Chance, die ich nutzen musste. Damals bin ich jeden Tag um die 25 Kilometer zur Arbeit gefahren. Aber nicht irgendwo, sondern auf kurvenreichen zweispurigen Landstraßen. Durch Wälder und über Felder, Hügel und durch Täler. Irgendwann kannte ich alle Passagen. Um das ein wenig einzuordnen: In der amerikanischen Porsche Community machen die Leute in Deutschland Urlaub, um einen Porsche in Deutschland mal auszufahren. Und ich? Durfte das jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit machen!

Irgendwann war es aber auch Zeit, nach Hause zurückzukehren. Wie war es, das Auto wieder nach Boise in Idaho zu bringen? Irgendwelche Probleme?

Oh ja. Die Reederei hatte gerade einen neuen Vertrag mit meinem Arbeitgeber abgeschlossen, war aber völlig unvorbereitet. Und so stand mein Auto 2014 den ganzen Sommer über auf einem Zollgelände im Hafen von Houston. Der Spediteur schob dem Zoll immer wieder die Schuld zu. Eines Tages kam ich auf die Idee, den Zoll in Houston einfach selbst einmal anzurufen. Ich wollte endlich herausfinden, was eigentlich das Problem war. Schnell im Internet recherchiert, schrieb ich den entsprechenden Leuten und bekam tatsächlich direkt eine Antwort. Es gab gar kein Problem – allein die Reederei hatte sich mit den ganzen verschifften Autos verhoben. Irgendwann im August hatte ich endlich mein Auto wieder. Aber das hat mich echt einige Nerven gekostet!

Was macht das Auto dabei so besonders für Dich?

Der 911 ist ohne Zweifel das am besten verarbeitete und technisch beste Auto, das ich je gefahren bin. Er ist zwar über 30 Jahre alt, aber immer noch eine Design-Ikone. Ganz davon zu schweigen, dass er mechanisch noch so gut in Schuss ist wie am ersten Tag. Neuere Autos haben vielleicht mehr PS – aber werden sich die Leute in 30 Jahren noch nach ihnen umdrehen? Werden sie immer noch auf der Straße unterwegs sein? Das lässt sich wahrscheinlich nur über die wenigsten sagen. Ich bin mit meinem Elfer auch schon ein paar Mal bei Trackdays auf der Rennstrecke gewesen oder mit Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn gefahren. Nie hatte ich das Gefühl, dass ich zu viel von ihm verlange. Er liegt in jeder Situation gut auf der Straße, vermittelt Vertrauen und läuft stets ohne ein Murren. Ich hoffe, dass wir noch viele Jahre gemeinsam fahren können.