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Fahrdynamisch veranlagt: Sera Trimble und ihr 911

Beruf(-ung) und Privatleben trennen? Nichts für Sera Trimble. Weil die amerikanische Stuntfahrerin auch abseits von Filmsets Dynamik und Action schätzt, fährt sie in ihrer Freizeit Porsche. Und zwar einen 911 G, Baujahr 1986. Was den Sportwagen aus Zuffenhausen so besonders macht – und was er mit dem Beruf der Stuntfahrerin zu tun hat –, verrät sie uns im Video.

Text: Alfred Rzyski Foto: Porsche 25.11.2019 3 min

Dass sich ein 911 gut für Filmstunts eignet, wissen wir schon lange – nicht zuletzt dank den Blockbustern der »Bad Boys«-Reihe. Als Privatauto ist ein Porsche ebenfalls nur schwer zu schlagen. Die Frage, ob er sich dann auch als Privatfahrzeug für eine Stuntfahrerin wie Sera Trimble eignet, stellt sich eigentlich nicht mehr. Lassen wir die Frau aus Los Angeles, die ihre Karriere als Parkservice-Mitarbeiterin begonnen hat, selbst über ihre automobilen Vorlieben sprechen:

»Anfangs war es eine Art Hass-Liebe, denn als ich den 911 bekam, musste das komplette Getriebe erneuert werden. Aber als das behoben war, machte ich mit meinen Freunden eine Fahrt über 1.000 Meilen nach Big Sur zum Camping. Wir haben für die 1.000 Meilen, also rund 1.600 Kilometer, drei Tage gebraucht, weil wir Autobahnen gemieden haben und nur auf Landstraßen gefahren sind. Ich habe noch nie zuvor ein Auto erlebt, das so hart gefahren werden kann, mit 4.500 bis 5.000 Umdrehungen pro Minute bei einer Außentemperatur von 43 Grad. Die Temperaturanzeige ging nie höher als bis zur Hälfte. Das war die beeindruckendste Power, die ich je gesehen habe. Das machen wir jedes Jahr mit etwa 20 Personen, wobei die meisten von uns alte 911, 356 oder 912 fahren. Ich liebe es immer zu sehen, was die anderen an ihren Autos gemacht haben; auch wenn die Wagen für ein ungeschultes Auge alle beinahe gleich aussehen, so hat doch jeder seine kleinen persönlichen Details. Das weiß ich mittlerweile wirklich zu schätzen.«

»Als Erstes habe ich das Differenzial ausgetauscht. Ich stehe auf Sperrdifferenziale, weil ich die Reaktion des Wagens damit mag – wie der 911 sich verhält, wenn man damit unterwegs durchstartet, ist einfach fantastisch. Auch das Fahrwerk wurde überarbeitet; vorne sind jetzt Tieferlegungsschenkel angebracht, durch die man niedriger sitzt, die es aber schwierig machen, die Auffahrt herunterzufahren. Und der Wagen hatte einen Frontspoiler, den ich aber etwas gekürzt habe, um ihn alltagstauglicher zu machen. Die Motoraufhängungen sind komplett neu, ebenso wie der Auspuff, den ich statt der vorhandenen, nicht originalen Nachrüstanlage eingesetzt habe, welche schon bei Reisegeschwindigkeit dröhnte – außerdem die mattschwarzen Felgen von Fifteen52. Ich finde es toll, dass das Auto keine Chrom-Elemente hat.«

»Mein Wunsch nach einem Beruf als Fahrerin hat sich als logische Weiterentwicklung meiner Interessen ergeben. In meiner Schulzeit habe ich Pizza ausgeliefert, das ist ein von Männern dominierter Fahrerjob. Als ich dann nach Seattle gezogen bin, um die dortige Kunstschule zu besuchen, habe ich in einem Blockbuster-Videoladen gearbeitet, in dem ich mit Männern viel über Filme geredet habe. Danach war ich im Parkservice eines Hotels angestellt, und auch hier habe ich dann viel mit Männern geredet, aber über Autos. Und schließlich habe ich diese beiden Bereiche dann irgendwie kombiniert und fahre jetzt Fahrzeuge in Filmen.«