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Ein Apfel und der Elfer

Form follows function. Und das bitte schön klar, konkret und elegant. Was auf das Design der Apple-Produkte zutrifft, gilt für Porsche schon lange. Jetzt hat Apples Chef-Designer und Steve Jobs’ Wegbegleiter Jonathan Ive den IT-Giganten verlassen. Grund genug, einmal zu schauen, welche Parallelen es zwischen den beiden stilbildenden Unternehmen noch so gibt.

Text: Helmut Werb Foto: Presse 05.07.2019 4 min

© Apple

Mitte der 1980er-Jahre trat Apple mit seinen revolutionären Computern eine Design-Revolution los. Die zwar erst einmal ins Stocken geriet, aber die mit den Entwicklungen seit Ende der 1990er das Unternehmen zum Inbegriff hochwertiger Gestaltung machte. Ähnlich wie der 911 aus der Feder von Ferdinand A. Porsche die Gestaltung der Sportwagen aus Zuffenhausen bis heute prägt – und das selbst in viertürigen Limousinen oder SUVs. Kein Wunder, dass Apple-Gründer Steve Jobs eine Vorliebe für die deutsche Sportwagenmarke pflegte. Jahrzehntelang waren Jobs’ Elfer ein gewohnter Anblick auf den Parkplätzen der Uni Stanford und im Straßenverkehr von Cupertino, dem Standort des Apple-Hauptquartiers.

© Porsche

Der legendäre Apple-Mitbegründer und Zen-Buddhist liebte die Perfektion und das klare Design der Stuttgarter Sportwagenschmiede. Wie der Floskel-freie 911er Jobs in seiner Produkt-Philosophie beeinflusste, deklarierte Jobs in einem Interview für seine Biographie: »Das Porsche Design hatte maßgeblichen Einfluss auf meine Ideen für den ersten Macintosh Computer.«

Die Liebe zur deutschen Sportwagen-Ikone ging so weit, dass Apple im Jahr 1980 – vier Jahre vor der Geburt des ersten Mac – einen Porsche 935 K3 des Dick Barbour Racing Team sponserte. Das sogenannte »Apple Car« nahm unter den damals schon weltbekannten Regenbogenfarben am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil, musste aber zur Hälfte des Rennens mit durchgebrannten Kolben ausscheiden.

Konsequenterweise fuhr der ikonische Apple-Chef bevorzugt Porsche, mehrere 911, einen 928 und einen 944, möglichst in Schwarz und immer ohne Nummernschild, auf das er ganz legal verzichten konnte, weil er eine Gesetzeslücke des kalifornischen »Department of Motor Vehicles« ausnützte und alle sechs Monate ein neues Fahrzeug leaste.

Jonathan Ive, bis vergangene Woche Apples Chef-Designer und treuer Wegbegleiter von Jobs seit dessen Wiedereintritt in die Firma im Jahr 1996, teilte die Vorliebe seines Chefs für aufregend schnelle Sportwagen. Zwar stand beim geborenen Engländer Ive neben seinem Aston Martin und einem historischen Austin Healey kein Porsche in der Garage. Aber ebenso wie Jobs bewunderte Ive das konsequente und schnörkellose Design des Elfers und den Einfluss, den der ikonische Sportwagen aufs Autodesign hatte. Selbst Tim Cook, seit Steve Jobs’ Tod vor acht Jahren Chef im Hause Cupertino, fuhr eine Zeit lang einen Porsche Boxster.

© Apple

In der Tat sind die Spuren des Porsche Designs auch in den Apple-Produkten zu finden: Klare Linien, die ihre Dynamik auf den Grundlagen aus User Experiences (UX) schöpfen und auf Haptik und Ergonomie statt Flash und Bling setzen. iPhone, iPad oder iMac sind wie der 911 beherrscht von einer Design-Philosophie, die auf den Maximen des Bauhaus fußt. Der Design-Vordenker Dieter Rams hat das mit seiner Aussage »Gutes Design ist so wenig Design wie möglich« auf den Punkt gebracht.

Rams ist übrigens eng mit der Hochschule für Gestaltung in Ulm verbunden, die nach dem Bauhaus als international bedeutendste Design-Hochschule gilt. Hier hat auch F.A. Porsche inspirierende Studienjahre verbracht. Und Jonathan Ive hat mit Produkten wie dem iPod, iMac oder der iSight-Kamera Rams’ Produkte nicht nur zitiert, sondern weiterentwickelt – was Rams übrigens sicherlich als Kompliment betrachtet hätte.

Wie sich Apples Design-Philosophie nach dem Abgang des Chef-Designers entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Spannend wird es allemal. Denn Jonathan Ive wird sich nicht zur Ruhe setzen. Im Gegenteil. Mit »LoveFrom« hat er eine eigene Design-Firma gegründet, dicht am Apple Spaceship in Cupertino angesiedelt. Er soll zukünftig als »Consultant« für Apple arbeiten, ließ Tim Cook verlauten. Vermutlich wird Ive die Freiheiten genießen, die der immer größer gewordene Apple-Konzern mit seinen Shareholder- und Kunden-Erwartungen ihm nicht mehr bieten konnte.

Und das sind gewiss nicht die schlechtesten Voraussetzungen für gutes Design.

© Porsche