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DIY: Legenden aus Papier

Der Start-up-Gründer Florian Weber bietet ab Oktober automobile Klassiker als Designskulpturen aus Papier an, die man selbst zusammenbauen kann. Wir haben den Mann hinter »Paperlegend« bei sich zu Hause in Stuttgart besucht, wo er uns erklärte, wie es zu dieser Idee kam und was er da eigentlich genau vorhat.

Es brummt und piept aus Florian Webers Badezimmer. Da, wo man normalerweise eine Nasszelle vermutet, steht ein etwa zwei Quadratmeter großer Schneidplotter mit Tangentialmesser und verrichtet fröhlich seine Arbeit: Er markiert den schwarzen Papierbogen mit weißen Passermarken und schneidet im Anschluss die Form einer Motorhaube hinein. Hier entsteht gerade der »Whale Tail«, eine von bislang fünf Papierskulpturen, die man kaufen und im Anschluss selbst zusammenbauen kann.

Das ist die Geschäftsidee, mit der sich der ehemalige Interior-Designer nun selbstständig macht. Sein Start-up heißt »Paperlegend«, seine Mission lautet: das Thema Autoskulpturen für Automobilliebhaber zugänglicher machen. »Auf dem Markt der Autoskulpturen sind Einstiegspreise von 500 Euro üblich. Nach oben gibt es keine Grenzen. Das liegt daran, dass sie meist in Handarbeit entstehen, wodurch sie stark limitiert sind. Durch die Verwendung von hochwertigem metallischem Papier bleiben meine Skulpturen erschwinglich – und es ist einfach ein super Gefühl, wenn man eine Skulptur fertig zusammengebaut hat«, erklärt Weber.

Der Berliner studierte Transportation Design an der Hochschule Pforzheim und gestaltete danach vier Jahre lang Komponenten für Innenräume bei Porsche: »Seit Anfang 2018 baute ich nebenberuflich automobile Klassiker als Designskulpturen aus Papier. Die Vision Paperlegend zu gründen wurde immer deutlicher und ich dachte mir: Wenn ich es jetzt nicht mache, dann mache ich es nie.« Seit Anfang des Jahres kümmert er sich als One-Man-Show um dieses Vorhaben, entwickelt Businesspläne, schreibt Pressemitteilungen, dreht Videos, vermarktet seine Idee bei Instagram, designt Prototypen und stellt eben auch die Bausätze bei sich zu Hause her – daher auch der Schneidplotter im Badezimmer.

Die Idee kam dem 28-Jährigen, als er gerade selbst an etwas bastelte: »Damals habe ich den Papier-Bausatz eines Haifisches erworben und gebaut. Das habe ich abends immer ein, zwei Stündchen nach Feierabend gemacht. Es war super, um runterzukommen und abzuschalten.« Irgendwann war der Hai dann fertig und Weber beschloss, von Raubfischen auf Automobilikonen umzusatteln. »Ich hatte im Internet nach Bausätzen gesucht, aber die Anleitungen waren unübersichtlich und kleinteilig, das Ausschneiden der Teile nervte. Also beschloss ich, selbst etwas zu entwerfen. Etwas Reduziertes, Künstlerisches, das die großen Gesten der Autos verdeutlicht.« Und etwas, das man sich im Anschluss problemlos an die Wand hängen kann. Denn die Skulpturen wiegen nicht mehr als 500 Gramm und lassen sich leicht fixieren.

Wenn Weber eine Skulptur entwirft, beginnt er zunächst ganz wie jeder Autodesigner, skizziert zunächst auf einem Blatt Papier und überlegt dabei, welche Formen er noch deutlicher hervorheben kann: »Hier ein größerer Heckspoiler, da etwas größere Reifen – die klassischen Designer-Tricks eben«, erklärt Weber. Sobald er zufrieden ist, setzt er seine Zeichnungen in ein CAD-Modell um und erstellt durch eine Abwicklung die Schnittmuster: »Das muss man sich so vorstellen, als ob man einen Würfel auseinanderklappt. Nur eben etwas komplexer.« Danach erstellt er das übersichtliche Layout mit Verklebungen und Anleitungen, baut die Modelle selbst zusammen und bessert nach, wenn etwas noch nicht ganz passt.

Seine Katze Chevy (»Ja, auch die heißt wie ein Auto!«) leistet ihm dabei manchmal Gesellschaft, auch sein WG-Mitbewohner und bester Freund Pete gesellt sich hin und wieder dazu – auch er ist Designer und arbeitet für Mercedes-AMG. »Wir sind schon eine sehr kreative Wohngemeinschaft«, stellt Weber fest, während er den Blick über das Star Wars-Poster an der Tür, die Design-Bibeln im Bücherregal und über seinen mit Papierschnipseln bedeckten Schreibtisch schweifen lässt.

Aus Lizenzgründen darf Weber nicht die offiziellen Namen der Autos verwenden, von denen er sich für seine Modelle hat inspirieren lassen. Aber sind wir mal ehrlich: Echte Autokenner können sich anhand der Bausätze in Verbindung mit den Namen »Whale Tail«, »Geländewagen Verteidiger« und »Rally Legend Gruppo 4« recht schnell zusammenreimen, welche Ikone sie da gerade zusammengebaut haben. Das ideale Hobby also (und im Nachgang die ideale Dekoration) für einen modernen Petrolhead, findet Weber. Um dem heutigen Zeitgeist gerecht zu werden, berücksichtigt er dabei auch den Aspekt der Nachhaltigkeit: »Für jede verkaufte Skulptur wird ein Baum gepflanzt.« Dies erfolge durch eine Kooperation mit einem Start-up, das sich aufs Bäumepflanzen spezialisiert hat.

Auch für die Zukunft denkt Weber bereits in größeren Kategorien: »Wenn die Sache gut anläuft, ließe sich auf Basis der Skulpturen eine ganze Community gründen. Eine Plattform, auf der Leute zusammentreffen, die gerne basteln, und andere, die vielleicht gerne die Skulpturen hätten, aber keine Zeit oder Lust haben, sie selbst zusammenzubauen.« Ebenso möchte er künftig eine Art Konfigurator anbieten, mit dem sich verschiedene Farben, Rennlackierungen und die Art der Felgen und weitere zusätzliche Details auswählen lassen. So können Kunden individuelle Skulpturen gestalten. Außerdem hört er auf die Wünsche der Community und stellt in Abstimmungen fest, welche Ikonen am beliebtesten sind und als Paperlegend interpretiert werden sollen.

»Jetzt muss aber erst mal der Launch bei Kickstarter klappen«, hofft Weber. Die Crowdfunding-Kampagne startet am 10. Oktober. Ab dann haben Interessierte die Möglichkeit, eines seiner Modelle zu kaufen und Weber dadurch bei seiner Geschäftsidee zu unterstützen. Der Gründer verspricht: »Die Käufer der ersten 225 Modelle erhalten ihr Produkt bis spätestens Weihnachten – es wäre also auch eine schöne Geschenkidee.« Bis dahin sorgt dann der Schneidplotter in Webers Badezimmer dafür, dass ein abwechslungsreiches Geschenk unter dem Weihnachtsbaum der Auto- und Bastelfans liegt. »Keine Ahnung, ob ich mich jemals an dieses Geräusch gewöhne«, sagt Weber dann noch achselzuckend und schlägt die Badezimmertür zu.