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Die Schöne und der 991 GT3

Sophia Calate und ihr Porsche 991 GT3 haben eine tiefe Verbindung. Denn ihr 911 und viel harte Arbeit machten sie zur Influencerin. Und das, obwohl sie Porsche anfangs ziemlich langweilig fand.

Interview: Natalie Diedrichs Foto: Sophia Calate 29.03.2019 6 min

Eigentlich steckte sie 2016 noch mitten in der Ausbildung zur Automobilkauffrau. Doch dann begannen Sophia und ihr Freund, Fotos und Videos von Autoevents und von ihrem Porsche zu machen – aus Spaß. Schnell merkten sie, dass ihre Schnappschüsse im Internet gut ankamen und produzierten immer professionellere Inhalte. Inzwischen hat die 27-Jährige über 60.000 Follower bei YouTube und über 50.000 bei Instagram und ist hauptberuflich »Influencerin« und »Vollzeit-YouTuberin«. Im Interview erklärt sie, was genau das eigentlich heißt und warum sie sich erst auf den zweiten Blick in Porsche verliebt hat.

»Calate« ist nicht Dein richtiger Nachname. Warum hast Du gerade den ausgesucht?

Mein eigentlicher Name ist unaussprechlich. Deshalb war ich auf der Suche nach einem Namen, der einprägsam ist und international funktioniert. Dann hat ein Kumpel einen Spaß gemacht, als er meinte, dass ich ja „Miss Escalate“ sei. Das kommt von »Eskalieren«, weil ich immer so laut und hektisch bin. Und dann wurde daraus Sophia Calate, also S. Calate.

Du bist mit einem Porsche 991 GT3 Vor-Facelift berühmt geworden, indem Du Videos mit ihm auf YouTube gestellt und Bilder auf Instagram hochgeladen hast. Wie kam es dazu?

Den Porsche hat sich mein Freund vor dreieinhalb Jahren neu gekauft. Ich muss gestehen, dass ich damals eigentlich kein Porsche Fan war. Deshalb habe ich auch leider nicht diese typische »Porsche in Love«-Story, die Leute erzählen, wenn sie von klein auf in einen Porsche verliebt waren. Im Gegenteil. Ich fand Porsche immer total langweilig. Aber je mehr ich mich mit Autos befasst habe und je mehr Modelle ich kannte, umso interessanter fand ich sie.

Gab es einen Schlüsselmoment?

Als ich mich das erste Mal in dieses Auto reingesetzt habe und damit gefahren bin, sprang der Funke über. Es war einfach nur ein unglaubliches Gefühl und es ist und bleibt eines der besten Autos, die ich je gefahren bin.

Warum?

Für mich ist Porsche die Perfektion in sich. Es stimmt einfach alles, vor allem bei einem GT-Modell, weil man damit auch super auf der Rennstrecke und auf Bergpässen fahren kann. Ein Porsche liegt so perfekt in der Kurve. Du hast einfach so ein natürliches Vertrauen in dieses Auto. Nichts rappelt, nichts klappert, der Motor klingt einfach verdammt gut, erst recht, wenn ab 3.000 bis 4.000 Umdrehungen die Auspuffklappe aufgeht. Und du spürst in diesem Auto die Straße. Man fährt noch selbst, ohne sich von Fahrhilfen einschränken zu lassen. Du musst in diesem Auto arbeiten. Aber als Auto-Enthusiast ist das ja genau der Grund, warum man ein Auto liebt.

Wo fährst Du am liebsten mit dem Porsche?

Wir fahren damit gerne nach Italien oder Österreich, und ich liebe es, mit dem Auto Bergpässe zu fahren. Und noch schöner ist eigentlich, dass ich durch dieses Auto sehr viele Menschen kennengelernt habe. Die ganze YouTube-Sache hat ja mit diesem Auto angefangen. Und deshalb wird mir das auch immer in Erinnerung bleiben.

Es gibt Leute, die sagen, dass das Influencer-Sein gar keine richtige Arbeit ist. Was antwortest Du denen?

Wenn man mit YouTube Geld verdienen möchte, ist das ein absoluter Fulltime-Job. Ich habe keine geregelte Arbeitswoche, so wie die meisten Selbstständigen auch. 18 Stunden am Tag sind keine Seltenheit, die Wochenenden arbeite ich meistens durch. Filmen, Schnitt, Fotos und deren Nachbearbeitung – das machen mein Freund und ich alles selbst. Aber es macht Spaß und deshalb fühlt es sich manchmal nicht nach Arbeit an, obwohl es selbstverständlich Arbeit ist.

Ist es leicht, damit Geld zu verdienen?

Nein, vor allem nicht am Anfang. Damit dabei finanziell etwas rüberkommt, braucht man Partner und Kooperationen. Und die kommen anfangs natürlich nicht von allein auf einen zu. Da muss man sich dann wirklich hinsetzen und Präsentationen machen, um sie an Unternehmen zu schicken und erst mal die richtigen Ansprechpartner zu finden. Mit Glück ergibt sich daraus eine Produktplatzierung in einem Video oder dass man als Testimonial für Firmen unterwegs ist. So verdiene ich dann mit Social Media mein Geld.

Was meinst Du, wie lange kann man YouTuberin sein?

Das ist eine schwierige Frage.

Oder anders: Willst Du irgendwann auch mal etwas anderes machen oder Dein Leben lang YouTuberin sein?

Auch schwierig. Ich weiß ja gar nicht, wie lange das Medium YouTube überhaupt existieren wird. Das kann sich jederzeit ändern.

Ist das eine Sache, die Dich beschäftigt?

Na ja, ich sage es mal so: Wenn der Fall eintreten sollte, dass YouTube nicht mehr existiert oder dass es uncool wird, dann wird es immer irgendetwas anderes geben, womit man Reichweite aufbauen kann. Ich sehe das pragmatisch.

Gibt es auch etwas, das Du bewusst aus den sozialen Medien heraushältst?

Meine Familie. Das ist privat.

Und was ist der größte Fehler, den man als YouTuber machen kann?

Wenn man sich selbst nicht mehr treu ist und nur noch auf das Geld und auf die Klicks achtet. Für mich ist es trotz dieses ganzen Vermarktungsmodells wichtig, dass ich nicht vergesse, wo ich herkomme und wo ich stehe.

Was planst Du für die Zukunft, gibt es einen 992?

Ein neuer 911 ist aktuell noch nicht in Planung, weil wir unseren GT3 erst mal behalten. Ich habe zwar ein neues Auto bestellt, aber das ist aktuell noch geheim. Werde ich aber bald auf meinen Kanälen verraten.

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