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Der Zündfunke: Auf den Spuren von Ferdinand Porsche

Heute vor 145 Jahren erblickt ein gewisser Ferdinand Porsche im nordböhmischen Maffersdorf das Licht der Welt. Und sorgt, bevor er die Weltmarke Porsche gründet, unter anderem für elektrisches Licht im Elternhaus – aber auch so manch andere Spannung. Ein Besuch im inzwischen tschechischen Vratislavice nad Nisou.

Text: Alfred Rzyski Foto: Porsche 03.09.2020 5 min

Wie eine gute Geschichte beginnt? Meistens mit einem weißen Blatt Papier. Die folgende beginnt dagegen mit einem weißen Haus hinter einem ordentlichen Zaun. Am 3. September 1875. Genauer gesagt im Ort Maffersdorf an der Neiße, der damals etwa 4.000 Einwohner zählt und zur österreichische-ungarischen k.u.k. Monarchie gehört. Hier wird an diesem Tag Ferdinand Porsche als drittes von fünf Kindern geboren. Sein Vater Anton Porsche ist Spenglermeister, Mutter Anna versorgt den Haushalt.

Vater Porsche fertigt Metallwerkzeuge für die Textilindustrie der Region um das heutige Liberec Ursprünglich soll Ferdinand Porsches älterer Bruder Anton die Firma übernehmen, doch er kommt 1888 bei einem Werkstattunfall ums Leben. So rückt Ferdinand an die Stelle des Nachfolgers. Nach acht Jahren Schulbesuch beginn er 1889 eine Klempnerlehre bei seinem Vater.

Viel mehr als für Rohre und Gewinde interessiert sich der 14-Jährige jedoch für Elektrizität: So oft er kann, besucht er die Maschinenspinnerei Ginzkey in der Nachbarschaft. Im bekanntesten und größten Unternehmen von Maffersdorf stehen zu diesem Zeitpunkt rund 250 mechanische Webstühle, auf denen vor allem Decken und Teppiche hergestellt wurden – unter anderem später, in den 1920er Jahren, der „größte Teppich der Welt“ für das Waldorf Astoria Hotel in New York. Ferdinand Porsche allerdings ist fasziniert von der elektrischen Anlage der Fabrik.

Und zwar so sehr, dass er zu Hause zunächst heimlich beginnt, mit Elektrizität zu experimentieren. Unter anderem bestückt er seine Schlittschuhe mit Batterielampen. Das sorgt auf dem zugefrorenen Dorfteich für erhebliches Aufsehen. Vater Anton jedoch hat für derlei Innovationsdrang kein Verständnis und verbietet ihm jedes weitere Tüfteln mit Elektrizität. Anders seine Mutter Anna. Sie versteht Ferdinands Wissendurst und überredet schließlich ihren Mann, den Sohn auf der „k. u. k. Staatsgewerbeschule“ im nahe gelegenen Reichenberg wenigstens Abendkurse in Elektrotechnik besuchen zu lassen.

Ferdinand zahlt das Vertrauen zurück: Selbstständig rüstet er 1893 das elterliche Haus als erstes Gebäude nach der nahegelegenen nach Fabrik mit elektrischem Licht und einer Klingel aus. Ein Praktikum bei der Elektrotechnikfirma »Béla Egger & Co.« und erste eigene elektrische Fahrzeuge später kommt Porsche 1899 zum Kutschenbauer Lohner nach Wien, der angesichts sinkender Verkaufszahlen nach einem neuen Antrieb für Fuhrwerke sucht. Zusammen mit dem jungen Ferdinand entsteht zur Weltausstellung 1900 in Paris der sogenannte »Lohner-Porsche«, der die etablierte Firma für die Zukunft bereit machen soll.

Noch im selben Jahr legt Porsche nach, entwickelt das Konzept weiter und präsentiert das erste Hybridfahrzeug der Welt: den »Semper Vivus«. Dessen Vorderräder mit bewährtem Radnabenantrieb werden dabei von einem Verbrennungsmotor gespeist – so ist der neue Lohner-Porsche reinen Elektromobilen einen weiteren Schritt voraus, denn mit 200 Kilometern Reichweite muss er seltener zum Laden halten.

Ortswechsel. 1931 in Stuttgart: Nach Episoden bei Austro-Daimler in Wien, bei Daimler in der schwäbischen Hauptstadt und einem kurzen Ausflug zum oberösterreichischen Werk Steyr gründet Ferdinand Porsche sein eigenes Konstruktionsbüro. In der Kronenstraße ist der Ingenieur zunächst mit 20 Mitarbeitern zu Hause. Dort entwickelt er im Kundenauftrag Fahrzeuge für andere Firmen, darunter der Porsche Typ 12 für Zündapp, erste Entwürfe der Grand-Prix-Rennwagen für Auto Union – und schließlich auch den Wagen, der später zum VW Käfer wird.

Doch der aufziehende Zweite Weltkrieg und die alliierten Luftangriffe vertreiben Porsche und seine Familie. 1944 sucht Ferdinand Porsche samt Firma und allem Besitz Schutz in Österreich Schutz. Der Ort der Wahl heißt Gmünd in Kärnten. Schon zuvor sichert sich Ferdinand den als »Schüttgut« bekannten Gutshof in Zell am See. In Gmünd wächst die Firma: Nach Traktoren und Seilwinden entstehen dort 1948 der 356 »Nr.1« und später die Gmünd Coupés. 1949 kehrt Porsche dann wieder schrittweise nach Stuttgart zurück und richtet in der dortigen Familienvilla ein Büro ein. Der Rest? Ist Geschichte.