Der Sound- und Geruch-Fotograf

Thomas Schorn fotografiert Autos. So weit, so aufregend. Am liebsten sind ihm Sportwagen, am allerliebsten Rennwagen. Für Porsche fotografierte er die Rekordfahrt des 919 Hybrid Evo. Durch die Linse betrachtet haben wir ihn gefragt, was die Faszination Sport- und Rennwagen für einen Fotografen ausmacht?

Interview: Matthias Mederer Foto: Thomas Schorn 4 min

Aus Sicht eines Fotografen, was macht Sport- und Rennwagen so besonders?

Sie sind ein wenig wie Autos in High Definition, mit mehr Liebe zum Detail, mit mehr Finesse gezeichnet. Und sie erzählen Geschichten, auch ohne einen Meter zu fahren. Was beim Mensch der Charakterkopf ist, ist für mich der Sportwagen unter den Autos. Technisch gesehen ist die Spielwiese für einen Fotografen einfach größer. Lichtsetzung und Gestaltung dürfen oft wilder, freier gesetzt werden.

Und konkret auf Porsche gemünzt, was macht hier den Reiz so besonders?

Emotion und Tradition, ganz klar! Porsche ist die Speerspitze der deutschen Autoindustrie und teilt sich auf seinem Level mit nur wenigen weltweit den Rang. Jeder kennt Porsche. Für Porsche fotografieren zu dürfen ist fast schon ein Qualitätssiegel für einen Fotografen. In jedem Foto steckt ein Teil des Mythos.

Und aus Cockpitperspektive?

Das ist einfach: Präzision! Es gibt kein Gezicke, keine Interpretation von Befehlen, sondern die Umsetzung in Reinkultur.

Ein Straßenfahrzeug hat ein Design, das den Kunden emotional berühren, ja gefallen soll, bei einem Rennfahrzeug wie dem LMP1 oder dem 919 Hybrid Evo ist das anders. Die Aerodynamik bestimmt das Design. Ist das trotzdem schön?

Ich würde es erweitern durch das Adjektiv »sexy«. Rennfahrzeuge sind für mich unglaublich sexy, außen wie innen. Dazu kommen noch zwei Komponenten, die es so stark bei keinem anderen Fahrzeug gibt: Sound und Geruch. Bestes Beispiel: der 911 RSR. Von außen ein Ufo, von innen unglaublich roh. Man muss hier einfach mal ins Cockpit schnuppern. Unvorstellbar gut! Und der Sound? Markerschütternd!

Wie blickst Du auf ein Auto? Ist es Motiv, Model, Skulptur, ist es einfach eine Maschine?

Das kommt tatsächlich sehr auf das Fahrzeug an. Ich glaube, in meiner Bildwelt ist es oft ein Mix aus Skulptur und Maschine. Jedes Auto hat für mich seinen ganz eigenen Charakter, der sich oft schon auf den ersten Blick herauskristallisiert. Ich liebe komplexe Lichtsetzungen und Formen, von daher ist der Ansatz wohl eher skulptural. Menschen kommen in meiner Bildwelt oft nur im Motorsport vor, und da sehr pur, emotionsgeladen und ungesteuert. Ein Auto hingegen ist nichts anderes als ein 360-Grad-Spiegel, da muss bis ins kleinste Detail alles ausgesteuert werden.

Ein Bild friert einen Moment ein. Wie löst Du den Konflikt, etwas Dynamisches wie einen Sport- oder gar einen Rennwagen in einem Bild einzufrieren, dabei aber trotzdem das Wesen der Bewegung abzubilden?

Komplexe Frage. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Ein Auto muss ja nicht zwangsläufig fahren, um schnell zu wirken. Oft ist es eine Kombination aus dem richtigen Kamerawinkel, Brennweite, Location und vor allem Lichtsetzung. Wichtig ist mir, dass die Situation greifbar und nicht überzogen wirkt, sonst verpufft der Effekt. Im Motorsport ist das etwas anders. Perfektion wird hier etwas kleinergeschrieben. Leichte Wackler, Mitzieher, sonstige Störer im Bild sind sogar willkommen. Man friert die Situation zwar ein, hat aber durch die Störfaktoren immer ein Gefühl der Dynamik in der Situation. Die Hektik, die enormen Kräfte im Fahrzeug, die Anspannung, die Hitze beim Rennen bekommt man durch Überperfektion nicht vermittelt.

Was waren Deine Highlights bis hierhin?

Sicherlich das 919-Programm mit Porsche, insbesondere die Rekordfahrt am Nürburgring. Nicht nur das Shooting war besonders, es hat tatsächlich ein paar Tage gedauert, bis man begriffen hat, dass man bei etwas dabei war, das Geschichte geschrieben hat. Die Leistung von Timo Bernhard war sensationell! Hätte ich den Speed aus der Onboardkamera auf der Playstation vorher simuliert, hätte wahrscheinlich jeder gesagt: unrealistischer Quatsch!

Welcher 911 darf es denn für Dich sein, wenn Du die freie Auswahl hättest?

Der 911 GT3 RS. Das ist für mich der Endgegner im Porsche Kosmos. Ganz nah am Rennsport, unglaublich bizarr, wenn du ihn in der Stadt antriffst. Hochdrehzahlsauger, leicht, sehr viel Aerodynamik. Dieses Auto löst in mir sehr viele Emotionen aus, schon beim bloßen Anblick.

Und welche Porsche würdest Du gerne noch fotografieren?

Oje, die Liste ist lang: 911 RSR, 918 Spyder, 935 K3, 917, GT1 ... Ich kann ewig so weitermachen.