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Der Panamera-Effekt

Die Existenz von sogenannten »Schwarzen Löchern« ist nicht erst seit gestern bekannt. Dafür existiert seit gestern ein Bild davon. Was das nun mit Porsche zu tun hat? Speziell mit dem Panamera? Sehr viel sogar.

Text: Alexander Morath Foto: Matthias Mederer 11.04.2019 3 min

Was haben ein Porsche Panamera und ein Schwarzes Loch gemeinsam? Beide sind anziehend. Sehr sogar. Mit dem Unterschied, dass man aus einem Panamera auch wieder herauskommt, wenn man das denn überhaupt möchte. Bei einem Schwarzen Loch gestaltet sich dieses Vorhaben schon etwas schwieriger, um nicht zu sagen: Es ist unmöglich. Denn die dort wirkende Massenanziehung, also die Gravitationskraft, ist dermaßen groß, dass ihr weder Materie noch Informationen wie Licht- oder Radiosignale durch die Lappen gehen und somit alles, was in unmittelbarer Nähe umherschwebt, verschlungen wird. Schwuuups. Weg. Einfach so.

Im Panamera dagegen ist Anziehungskraft ästhetischer Natur und zurückzuführen auf die – von uns – so genannte Relativitätstheorie von Michael Mauer. Die besagt im Groben, dass so ein Panamera im Vergleich zu anderen Luxuslimousinen doch relativ viel Sportwagen-Gene in sich trägt. Michael Mauer muss es wissen. Schließlich ist er Porsche Chefdesigner und VW-Konzern-Designchef in Personalunion. Er brachte das Konzept und die daraus abgeleitete Formgebung im Zusammenhang mit der ersten Baureihe, die 2009 in Serie ging, einmal wie folgt auf den Punkt: »Die Synthese aus typischen Sportwagen-Genen, die einer Coupéform entspringt, und einer eigenständigen Interpretation der klassischen Limousinenform sowie den Vorzügen eines variablen Raumkonzeptes gibt dem Panamera sein unverwechselbares Erscheinungsbild.«

Kling vielversprechend. Eigentlich. Denn ausgerechnet besagtes Erscheinungsbild der ersten Generation stieß unter einigen Porsche Kunden auf heftige Gegenwehr, wobei vor allem das häufig als »Walbuckel« verunglimpfte Heck ins Fadenkreuz der Kritik geriet. Aber so ist das nun mal. Die Angst vor dem Fremden und so. Vielleicht war die Designsprache eben noch nicht gelernt. Vielleicht entsprach sie für viele nicht dem, was man vom Weissacher Design-Reinheitsgebot für gewöhnlich erwartet hätte.

Wie auch immer. Der Ur-Panamera ist kosmischer Staub von gestern und wurde im Juni 2016 von der zweiten Generation abgelöst. Durch eine noch dynamischere Flyline könnte die Verwandtschaft nun nicht einmal mehr Boris »die Besenkammer« Becker leugnen. »Sofort erkennt man die Coupé-artige Dachlinie, jetzt aber deutlich schneller«, sagt Mauer zu dem Elfer im Limousinen-Gewand und verweist in diesem Kontext auf die Seitenscheibengrafik, »die die Coupé-hafte Seitenansicht nochmals unterstreicht«. Dieser Panamera gefällt. Und zwar allen. Vor rund zwei Jahren hat Porsche deshalb auf der vorhandenen Basis einen Shooting Brake, den Sport Turismo, entwickelt, von dem es mittlerweile auch einen E-Hybrid gibt: den Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid Sport Turismo.

Mit der Kombination aus V8-Verbrennermotor (550 PS!) und einer 136 PS starken E-Maschine ist dieser weltweit das erste Auto, dessen Namen auszusprechen länger dauert als die Beschleunigung von null auf hundert (4,3 Sekunden). Dafür ist er mit 2.385 Kilogramm auch einer der schwersten in der Panamera-Familie. Aber Sie wissen ja: je größer die Massen, desto stärker die Anziehungskraft.