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Daniel Arsham: 1.000 Jahre 911

Löcher in der Karosserie: sind meistens ungewollt und eigentlich natürlicher Feind der Ästhetik. Sitzen sie aber an der richtigen Stelle, können sie auch ziemlich gut aussehen. Den Beweis dafür? Liefert Daniel Arsham mit der etwas anderen Skulptur der Zuffenhausener Art.

Text: Jack Weil Foto: Daniel Arsham 05.09.2019 2 min

Daniel Arsham bewegt sich frei zwischen Kunst, Architektur, Performance – und vor allem in der Zeit. In der Schnittmenge dieser Einflüsse interpretiert der amerikanische Künstler Alltägliches neu und nimmt es mit gewohnten Wahrnehmungsmustern auf. Sein Blick auf die Welt dabei: der eines zukünftigen Archäologen, der würdevoll gealterte Kulturobjekte entdeckt. Moderne Gegenstände folgen dabei seinem Ruf der Vergänglichkeit, einem Hauch Dystopie, aber vor allem der Ästhetik. Dass dieses Rezept funktioniert, beweist Arsham schon seit 2008 mit dem Design-Studio »Snarkitecture«, das er zusammen mit Alex Mustonen gründete. Dort bricht sich die Wahrnehmung sprichwörtlich an kaputt erscheinenden, aber funktionsfähigen Alltagsgegenständen und großflächigen Installationen.

Aber auch mit seinem neuesten Projekt, einem in Anthrazit gehaltenen Porsche 911 der aktuellsten Generation, bestätigt er seinen Ruf als visueller und konzeptioneller Grenzgänger. Der gealterte Elfer folgt dabei der Tradition seiner Ausstellung »3018«, die vor zwölf Monaten in New York einen Blick in das namensgebende Jahr wagte und dabei auch zwei Automobile der Arsham-typischen Transformation unterzog. In Stahl, Kunststoff und den Mineralien Pyrit und Quarz führte der Amerikaner dabei die Klassiker in das nächste Jahrtausend.

Nun folgt also eine Form, die in mehr als 50 Jahren nicht alt geworden ist. Im Jahr 3019 klaffen in Haube, Dach und Kotflügeln des aktuellen 992 große Löcher, die tragende Struktur aber ist noch vorhanden. Ein Frevel an der eigentlich zeitlosen Legende? Steht nicht wirklich zur Debatte – denn selbst in der gealterten Form teilt der 911 schließlich noch die Ideale des Künstlers – er bewegt sich ja selbst jederzeit zwischen Kunst, Architektur und vor allem Performance.