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Cayenne Safari: »Ich freue mich darauf, es allen zu zeigen«

In einem fremden Land arbeiten: für manche schon Abenteuer genug. Nicht aber für Shane Oosthuizen. Deshalb entschied sich der kreative Südafrikaner kurzerhand dafür, die Heimreise aus der Wahlheimat Österreich zum Abenteuer zu machen. Und zwar mit einem Porsche Cayenne, in dem er Europa und Afrika durchqueren will. Im Interview erzählt er uns von seinen Plänen, was er am SUV modifiziert hat – und noch mehr.

Interview: Marko Knab Foto: @the_roadtripper 20.03.2020 9 min

Hallo Shane! Sag uns doch bitte: Was bedeutet Freiheit für Dich?

Freiheit? Für mich bedeutet das, ohne Grenzen leben zu können. Natürlich, wir müssen Regeln befolgen, damit eine Gesellschaft funktioniert. Aber sich ab und an von allem lossagen zu können, das ist echte Freiheit. Das soll nicht heißen, dass man jetzt Gesetze brechen muss. Sondern vielmehr, sich manchmal von Konventionen frei zu machen und seinen eigenen Weg zu nehmen. Wie wir zum Beispiel, wenn wir mit einem Cayenne quer durch Afrika fahren!

Und was macht ein Abenteuer für Dich aus?

Bei einem Abenteuer geht es für mich darum, Dinge und Orte zu sehen, die ich davor noch nicht kannte. Und natürlich auch darum, sich einfach mal überraschen zu lassen und nicht alles im Vorhinein zu wissen. Wie bei der Reise, die wir jetzt geplant haben: Mit dem Cayenne haben wir dabei auch einen eher ungewöhnlichen Reisepartner. Ich glaube, das wird wirklich aufregend und eine echt überwältigende Erfahrung. Aber genau so sollte ein Abenteuer doch auch sein. Oder um es mit den Worten eines bekannten Autobauers zu sagen: Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

Die von Dir angesprochene Fahrt quer durch Afrika klingt nach einem ziemlich großen Abenteuer. Wie bist Du überhaupt auf die Idee dazu gekommen?

Als gebürtiger Südafrikaner bin ich im südlichen Teil meines Kontinents schon ziemlich viel herumgekommen. Aber der Rest von Afrika hat mich einfach schon immer fasziniert und steht schon lange auf meiner Liste. Eine ganze Weile war es einfach nur ein Wunschtraum. Aber als ich hier in Österreich zu arbeiten angefangen habe, kam das eine dann zum anderen. Mit Blick auf das Ende meines Arbeitsvertrags wusste ich, dass ich irgendwann auch wieder nach Südafrika muss. Ziemlich schnell war dann klar, dass die Heimreise dann wenigstens etwas aufregender werden soll!

Auf Deiner Route gibt es dabei ja auch einige Ecken, die man aus europäischer Sicht nicht gerade als sicher bezeichnen würde. Machst Du Dir deshalb Gedanken? Oder bist Du da eher der entspannte Typ?

Die Sicherheit ist bei so einer Reise durch Afrika natürlich ein Thema. Wilde Tiere, schlechte Straßen und auch Kriminalität – alles Dinge, die wir nicht einfach ignorieren können. Weil ich das Ganze zusammen mit meiner Verlobten mache, muss ich natürlich besonders aufpassen. Unser Auto ist jetzt nicht gerade unauffällig, aber deshalb führt uns die Reise auch nicht durch besonders dicht besiedeltes Gebiet. Das bringt dann wiederum ganz eigene Herausforderungen mit sich. Wir müssen einfach gut planen, uns vorbereiten und wachsam bleiben. Zum Glück habe ich da ein bisschen Erfahrung. Aber das macht so ein Abenteuer ja auch irgendwie aus – sonst wäre es keins!

Google Maps behauptet, dass man eure Tour ohne jegliche Unterbrechung in siebeneinhalb Tagen schaffen kann. Welches Tempo habt ihr euch vorgenommen?

Wenn wir einen Rekord aufstellen wollten, könnten wir einfach die ganzen asphaltierten Straßen von Kairo bis Kapstadt nehmen. Aber wir haben ein paar Ziele auf unserer Liste stehen, die ziemlich weit weg von den Hauptverkehrswegen liegen. Deshalb haben wir uns effektiv auch kein Zeitlimit gesetzt – wobei ich persönlich mit drei bis vier Monaten Fahrzeit rechne.

Wann soll es dann losgehen?

Puh, wirklich schwer zu sagen im Moment. Eigentlich wollten wir Mitte Juli in Kenia sein, um uns dort die Rallye-Weltmeisterschaft anzuschauen. Abfahrt wäre deshalb auch schon Ende dieses Monats gewesen. Aber mit der Situation rund um das Coronavirus, den Sperrungen und Reisebeschränkungen an Flughäfen müssen wir das alles überdenken. Im Moment sieht es so aus, als ob wir frühestens Ende Juni losfahren können – aber auch nur, wenn sich die Situation bis dahin etwas entspannt.

Auf dem Motorrad hast Du ja auch schon Erfahrung mit längeren Touren. Warum ist euer Cayenne Turbo aus dem Jahr 2004 das perfekte Auto für so eine Reise?

Ganz ehrlich: Auf dem Papier ist er für diese Reise nicht optimal. Einmal ist er verhältnismäßig schwer, nicht wahnsinnig sparsam und auch nicht so einfach zu reparieren – falls denn etwas kaputtgehen sollte. Ganz davon zu schweigen, dass er auch nicht überragend viel Stauraum hat. Aber genau diese Herausforderungen reizen mich: Wenn man nicht nur auf die Kritiker hört, dann ist er ein klasse Auto für das Gelände!

Die ersten Cayenne sind nämlich ziemlich robust konstruiert. Als Serienausstattung haben sie Sperrdifferenziale und eine mehr als ordentliche Bodenfreiheit. Dazu kommt auch noch eine Luftfederung. Und wenn man sich auf dem Markt umschaut, dann ist der Verbrauch im Vergleich zu deutlich schwereren und beliebteren Geländefahrzeugen wirklich voll im Rahmen. Mit unserem 100-Liter-Tank sollten wir auch locker 600 Kilometer pro Füllung schaffen. Viele prophezeien uns, dass wir nie ankommen werden. Ich freue mich ehrlich gesagt schon richtig drauf, es allen zu zeigen!

Wie lange hast Du für dieses Ziel an dem Cayenne schon gebaut? Und was hast Du genau verändert?

Aktuell ist es schon ein gutes Jahr, seit wir begonnen haben. Dabei haben wir uns zuerst um den Stauraum gekümmert und deshalb einen Dachträger montiert. Auf ihm finden sich später das Zelt, ein Sonnenschutz und noch ein Zusatztank mit 40 Litern Sprit. Dazu kamen noch ein abschließbares Schubladensystem im hinteren Bereich und das Ersatzrad auf der Heckklappe.

Die offensichtlichste Modifikation sind aber die Rallye-Scheinwerfer. Klassische Lichter im Offroad-Look der legendären Marke PIAA. Die geben auch bei völliger Dunkelheit genügend Licht, damit wir sicher navigieren können. Zugegeben: ein bisschen weniger hätte es hier auch getan – aber sie sehen auch einfach geil aus!

Bei der Aufhängung wiederum verlassen wir uns auf die Serienausstattung von Porsche mit der integrierten Luftfederung. Ein kleines bisschen haben wir sie trotzdem modifiziert, damit wir alles an möglicher Bodenfreiheit haben. Weil der Cayenne so starke und große Bremsen hat, mussten wir uns bei den passenden Felgen eine bisschen länger umschauen. Am Ende sind es dann die »Klassik B« als 20-Zöller von Delta4x4 zusammen mit Offroad-Reifen von Cooper geworden. Insgesamt ist da noch viel, viel mehr, aber das sind die wichtigsten Umbauten. Ohne die tollen Leute von Delta4x4 und Front Runner in Deutschland wäre das alles aber gar nicht möglich gewesen!

Was ist Dein Alltagsauto, wenn Du nicht gerade quer durch Afrika fährst?

Tatsächlich ist es der Cayenne! Ich bin überzeugt davon, dass Autos zum Fahren gemacht sind – man lässt sie nicht einfach irgendwo herumstehen, um sie dann irgendwann ein bisschen zu bewegen. Positiver Nebeneffekt: So hatte ich auch die Möglichkeit, den Cayenne vor der Reise auf Herz und Nieren zu testen und potenzielle Probleme vorher zu lösen. Jetzt sollten wir keine bösen Überraschungen erleben, denn er ist perfekt in Schuss!

Vom Alltagsauto zum Alltag selbst: Wie sieht der eigentlich bei Dir aus?

Wenn ich nicht gerade über den Plänen der Reise brüte, dann arbeite ich bei einer großen Firma im Automobilsektor als Marketingstratege. Ansonsten schreibe ich auch auf freier Basis Texte und fotografiere in meiner Freizeit gerne.

Eine Frage noch zum Abschluss: Abgesehen von Deiner relativ verrückten Reise in einem Cayenne nach Südafrika: Warum bist Du »Crazy about Porsche«?

Das ist recht einfach: Schon seit ich denken kann, bin ich Porsche Fan. Das hat für mich einfach mit der ehrlichen Art und dem Understatement dieser Autos zu tun. Besonders die älteren und luftgekühlten Modelle gehören in meinen Augen zu den coolsten Autos, die je auf den Markt kamen. Und wenn man sieht, wie viele davon heute noch auf den Straßen unterwegs sind, dann ist es ziemlich schwer, nicht »Crazy about Porsche« zu sein.

More Information: @CayenneSafari