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Casa Madri: dreierlei Architektur serviert an Chukum

Im Casa Madri im mexikanischen Mérida geht es multikulturell zu: Japanische Schlichtheit trifft auf europäische Analytik und mexikanische Kultur. Sagen zumindest die Architekten von »Magaldi Studio«, die das etwas andere Gebäude für einen besonderen Kunden entworfen haben.

Text: Alfred Rzyski Foto: Magaldi Studio 08.09.2020 2 min

Viele Köche verderben den Brei, behauptet ein altes Sprichwort. Mag stimmen. Viele und vor allem gute Einflüsse in der Architektur wiederum können bereichernd sein – so wie beim »Casa Madri« im mexikanischen Mérida. Das in einem geschlossenen Wohnkomplex gelegene Gebäude bedient sich nämlich verschiedenster Eindrücke, schafft es aber, sie ansprechend zu verbinden. Laut der Architekten finden sich im von Beton, Metall und Holz dominierten Haus gleichermaßen japanischer Minimalismus, europäische Analytik und mexikanische Kultur. Was zunächst nach einer wilden Kreuzung klingt, harmoniert auf den 557 Quadratmetern in der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaats Yucatán perfekt.

Am offensichtlichsten ist dabei zunächst der Einfluss der fernöstlichen Schlichtheit: Von klaren Linien, spitzen Winkeln und runden Bögen geprägt, folgt das Haus der bewährten Minimalismus-Losung »Weniger ist mehr«. Es greift den dafür prädestinierten Baustoff Beton auf, verlässt sich dabei aber auf das regionale Wissen aus Mexiko. Der verwendete Beton ist nämlich kein gewöhnlicher: mit Saft von auf Yucatán vorkommenden Bäumen imprägniert, ist der jetzt »Chukum« genannte Stoff wasserfest und feuchtigkeitsabweisend. Beim tropischen Klima der Halbinsel und durchaus starken Regenfällen durchaus vernünftig – und zu Ende gedacht.

Auch die Gesamtkonstruktion des Gebäudes folgt wie die Fassade einem eigenen Zweck: Um für eine gute Luftzirkulation und weniger Klimaanlagen zu sorgen, ist das Erdgeschoss offen gehalten. Die Atrium-artige Konstruktion nutzt Holz, um das Gebäude einerseits optisch aufzulockern, aber auch für durchlüfteten Sonnenschutz zu sorgen. Warum das Gebäude bei all der Raffinesse trotzdem keine klassische Eingangstüre besitzt? Weil der Besitzer es so wollte.