Ende Legende? Im Gegenteil!

Rares für Bares: Porsche Classic sorgt im Kundenauftrag für einen einzigartigen Neuaufbau des Carrera GT.

Text: Alexander Morath Foto: Porsche 3 min

Wenn jemand einen Carrera GT zerlegt, dann kommen dem Besitzer schon mal die Tränen. Bisweilen auch Freudentränen. Zumindest ist das der Fall, wenn dieser »Jemand« Porsche Classic heißt und besagte Demontage auf Kundenwunsch so abläuft, dass der Supersportwagen Bauteil für Bauteil auseinandergenommen und neu aufbereitet wird.

Dass allein 350 Stunden fürs Handschleifen und Wiederbeschichten aller Kohlefaserbauteile inklusive des Monocoques zu Buche schlagen – geschenkt. Ebenso die Tatsache, dass nebst einer kompletten Revision von Motor und Getriebe eine neue Lackierung auf dem Wunschzettel steht. Die gewählte Lackfarbe: Oak Green Metallic, eine Farbe, die es so nie offiziell für den Carrera GT gegeben hat und die den ohnehin schon raren Supersportler, der insgesamt nur 1.270 Mal gebaut wurde, zu einem absoluten Unikat macht, das man in Zukunft besser nicht zerlegen sollte.

Aber auch ohne der Lackierung in »Oak Green Metallic« ist der Carrera GT ein Sportwagen, der in seiner Art einzigartig ist und den es so vermutlich nie wieder geben wird. Beweise? Bitteschön:

  • Im Herbst 2003 rollten im Porsche-Werk Leipzig die ersten »Rennwagen für die Straße« von der rund 80 Meter langen Fertigungsstraße. Am 6. Mai 2006 war dann nach 1.270 Einheiten Schluss.

  • Start-Stopp-System? Gibt’s gewissermaßen auch im Carrera GT. Oder wie es der Journalist Wolfgang Peters in der FAZ formuliert: »Die Kupplung ist der Feind jeder empfindsamen Wade. Entweder sie greift, oder der Motor stirbt ab, so schnell, wie man das Licht in einem Keller mit tausend Vampiren ausknipst.«

  • »Den kann jeder fahren«, flachste Walter Röhrl einst bei der Pressevorstellung des Carrera GT. Stimmte dann nicht ganz. Während der Fahrveranstaltung drehte sich ein Journalist gleich mal von der Strecke. Ein weiteres Auto ging hops, als ein anderer Journalist bei voller Beschleunigung ausversehen vom dritten in den zweiten Gang wechselte.

  • Die Felgen des Carrera GT haben je nach Fahrzeugseite Zentralmuttern mit links- oder rechtsdrehendem Gewinde. Damit diese eindeutig zugeordnet werden können, sind sie für die linke Fahrzeugseite rot und für die rechte Seite blau gefärbt.

  • Der Zehnzylinder-V-Motor mit 612 PS wurde von einem Formel 1-Triebwerk abgeleitet. Überhaupt wurde der Motor ursprünglich gar nicht für die Straße konzipiert, sondern für den Einsatz beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans (2000).

  • Walter Röhrls Tipp für Carrera GT-Besitzer: Die ASR-Taste »am besten rot lackieren und ›Nicht berühren!‹ draufschreiben«. Und Röhrl muss es wissen, immerhin begleitete er die Entwicklung des Supersportwagens von den ersten Entwürfen bis zur Serienfertigung.

  • Was die Käufer des Carrera GT angeht, hüllte sich der ehemalige Leipziger Werksleiter Siegfried Bülow seinerzeit in Schweigen: »Viele unserer Kunden möchten anonym bleiben.« Wir wissen trotzdem: US-Talklegende David Letterman hat einen. Ebenso der Rapper Eminem oder Modemacher Ralph Lauren. Außerdem – wie Bülow dann doch verriet – noch einige »dieser NBA- und Eishockey-Spieler aus den USA«.