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Art Car-Künstler Rene Turrek und sein 964 TESTCAR

Wenn die Themen Kunst und Auto aufeinandertreffen, kommt dabei gerne mal etwas Außergewöhnliches heraus. So zumindest bei den Arbeiten von Rene Turrek.

Interview: Natalie Diedrichs Foto: Maximilián Balázs · ramp.pictures 05.03.2020 6 min

Der deutsche Künstler macht aus Premiumfahrzeugen Einzelstücke, indem er sie abschleift und von Hand bemalt. In Städten wie Miami, Las Vegas oder auch mal Osnabrück. Abgesehen davon hört sein wohl prominentestes Ausstellungsstück auf den Namen »Optimus Prime« und kämpft in Michael Bays Roboter-Blockbuster-Reihe »Transformers« gegen außerirdische Blechmonster. Vor ein paar Monaten durfte Turrek dann seinen ersten Porsche gestalten, genauer gesagt einen modifizierten 964 Carrera 4, den der Künstler »TESTCAR« taufte. Was es mit dem Namen und der besonderen Lackierung auf sich hat, verrät Turrek im Interview.

Erzähle uns etwas über diesen ungewöhnlichen 964.

Als ich den Auftrag bekam, das Auto zu bemalen, hatte ich noch keine konkrete Idee. Also stellte ich mir zunächst die Frage, was ich persönlich mit dem Baujahr 1990 verbinde. Damals war ich 13 und schaute gerne fern. Ich erinnerte mich, dass irgendwann immer dieses »Tüüüüüüt«-Geräusch das Programm beendete und stattdessen ein Testbild über den Bildschirm flackerte. Und ich hielt es für eine ganz coole Idee, dieses Design auf das Auto zu übertragen.

Und das Tüüüüüt-Geräusch?

Ja, das fehlt tatsächlich noch. Wir spielten erst mit dem Gedanken, einen Lautsprecher unter die Kofferraumklappe zu packen, um das Geräusch nachzuahmen. Das Problem ist nur, dass die jüngere Generation damit leider nichts mehr anfangen kann.

Die Farben der Linien leuchten ja auch im Dunkeln – wie kam es zu dieser Idee?

Wir haben viel Pizza gegessen, also wirklich viel. Bis in die Abendstunden hinein. Als ich dann mitten in der Nacht das Licht in der Halle ausschaltete, fand ich es schade, dass das Auto in der Dunkelheit verschwand. So kam mir die Idee.

Wie genau muss man sich den künstlerischen Prozess vorstellen?

Das Auto war ursprünglich rot, als es zu mir kam. Ich habe es angeschliffen, sauber gemacht, abgeklebt, die Motorhaube abgebaut und zunächst alles schwarz lackiert. Anstatt ihn in einer Trockenkabine zu heizen, ließ ich ihn über Nacht an der Luft trocknen, weil ich nicht wusste, wie die GfK-Haube auf den Lack reagiert. Ich wollte nicht, dass sie reißt. Also gab ich der Farbe etwas Zeit. Am nächsten Morgen war aber alles okay und ich klebte Linie für Linie ab und malte das Auto an.

Wie lange hat es gedauert?

Eine Woche beziehungsweise circa 90 Stunden. Mit Fluchen.

Wie jetzt?

Fluchen gehört bei einem Künstler einfach dazu. In dem Fall war ich etwas aufgebracht, weil ich über 170 Rollen Klebeband zum Abkleben verbraucht hatte. Da lag dann dieser Riesenberg Müll vor mir, den ich produziert habe, und ich ärgerte mich über mich selbst. Das werde ich nächstes Mal definitiv anders lösen.

Welcher Porsche wird als Nächstes folgen?

Ein 991 Speedster, darauf freue ich mich schon riesig!

Wie bist Du eigentlich Künstler geworden?

Ich hatte immer eine kreative Ader, schon zu Schulzeiten. Damals gestaltete ich Garagentore, und als ich feststellte, dass da durchaus ein Bedarf besteht, beschloss ich, diesen Schritt zu gehen.

War das ein mutiger Schritt?

Nicht wirklich, weil ich dazu ja keine großen Investitionen tätigen musste. Ich sagte mir damals: Du probierst das jetzt mal ein Jahr lang, und wenn es nicht klappt, dann studierst du.

Und?

Na ja, nach einem Jahr hat es zwar noch nicht geklappt, aber trotzdem sah ich keinen Grund, aufzuhören. Es dauerte tatsächlich acht, neun Jahre, bis ich mich selbst als Künstler bezeichnet habe.

Ab wann, würdest Du sagen, darf man sich Künstler nennen?

Das hat glaube ich gar nichts mit der eigenen Entscheidung zu tun, sondern hängt von Dritten ab. Wenn andere das akzeptieren, was du machst, und sagen »Ich finde Deinen Stil super!«, dann, würde ich sagen, kannst du dich Künstler nennen.

Nochmal kurz zurück zum TESTCAR: Die Modifikation eines Elfers gilt für manche als Sakrileg. Wie waren Deine Erfahrungen damit?

Das musste ich mir bislang zum Glück noch nicht anhören. Aber es gab natürlich immer wieder Kommentare wie »Das war aber mutig!«. Denn es sei ja schließlich ein Porsche. Ich finde dagegen, dass Porsche Fahrer und Fans durchaus auch mal mutiger sein dürfen.

Inwiefern?

Ein Porsche ist ein tolles, innovatives, sportliches Produkt, kurzum: ein geiles Auto! Trotzdem sieht man ihn meistens nur in gedeckten Tönen wie Schwarz, Weiß und Grau auf deutschen Straßen. So als wolle man um jeden Preis vermeiden, dass er auffällt. Da dürfte es meiner Meinung nach durchaus mal etwas bunter zugehen. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich viel in Miami arbeite und die Leute dort viel auffälliger und provokanter unterwegs sind. Das sind natürlich zwei völlig verschiedene Welten. Trotzdem bin ich der Meinung, dass sich Porsche Fahrer viel mehr trauen dürften.