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Arcade-Art aus dem All

Sind Computerspiele Kunst? Zumindest, wenn man wie der französische Street-Artist »Invader« die Spielfiguren vom Bildschirm auf die Fassaden der Welt bringt. Und das gefühlt schon fast so lange, wie es das Vorbild »Space Invaders« aus dem Jahr 1978 gibt. Da spielen wir gerne eine Runde mit.

Text: Alfred Rzyski Foto: Invader 11.12.2019 3 min

Für manche ist das Leben ein Spiel. Für andere ein ganz persönliches Kunstwerk, das sie selbst gestalten. Und für den französischen Street-Artist »Invader«? Ist es sogar beides. Denn der anonyme Künstler aus Paris jagt seit mehr als zwanzig Jahren in den Metropolen der Welt seinen persönlichen Highscore. Aber nicht auf einem Sofa und mit einer Konsole. Sondern mit kleinen Fliesen, die er zu kleinen Mosaiken im 8-Bit-Stil des legendären Arcade-Spiels »Space Invaders« kombiniert. Dabei hat er sich aber nicht nur die Produktion von schön anzusehenden Retro-Kunstwerken zur Aufgabe gemacht, sondern kommentiert auch still die ausgewählten Orte und das Zeitgeschehen. Einen gepixelten Obi-Wan auf einer Kulisse aus »Episode IV« von Star Wars? Hat er in Djerba gelegt – genauso wie einen Pix(el)-Lebowski an der Fassade einer Bowling-Bahn in Los Angeles. Ganz zu schweigen von »Space 2«: Der schwebt nämlich im Gegensatz zu den anderen »Space Invaders« wirklich im All. Und zwar hochoffiziell an Bord der Internationalen Raumstation ISS.

Bei seinen meist geheimen und nicht immer legalen Missionen lässt sich der Absolvent der Pariser Kunsthochschule aber nicht nur von der Optik des Spiels inspirieren, sondern überträgt auch dessen Level-Struktur und die Idee des Highscore auf die echte Welt. Wie die kleinen Außerirdischen im Arcade-Game lässt auch er seine Mosaik-Kunstwerke so seit 1999 spontan und nach eigenem Geschmack in »Wellen« auftreten. Das »Basis-Level« einer Stadt erfolgreich absolviert? Der »Invader« kehrt zurück. Und treibt mit neuen Installationen den persönlichen Highscore weiter in die Höhe. Je nach Schwierigkeit und Standort gibt er sich dabei selbst zwischen 10 und 100 Punkten. Bleibt nur noch die Frage: warum das Ganze? Um die Kunst aus den Museen zu holen und in das Leben der Menschen zu bringen, sagt der »Invader« selbst. Und natürlich, um die kleinen, außerirdischen Wesen aus ihrem Spiel und den Bildschirmen zu befreien. Game over? Noch lange nicht in Sicht. Laut eigener Aussage ist der »Invader« nämlich auch noch nach gut 21 Jahren jede Woche unterwegs.