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24 Stunden Belichtungszeit

Die wenigsten bleiben während eines 24-Stunden-Rennens durchgängig wach – nicht einmal die Fahrer. Einer, der aber keine Minute schläft, ist Marcel Langer. Für uns lässt der Motorsportfotograf das 24-Stunden-Rennen von Le Mans nochmals Revue passieren. Im Fokus dabei: Porsche.

Text: Marko Knab Foto: Marcel Langer 26.06.2019 4 min

Warum liegt ein erwachsener Mann in der Innenstadt von Le Mans 20 Minuten auf den Geweh? Weil er ein »Motorsport photographer with a different view« ist. So nennt sich Marcel Langer nämlich selbst. Und sein Anspruch, »andere« Bilder zu machen, erfordert neben minutenlangem liegen auch andere Herausforderungen: Nämlich beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans die gesamten 24 Stunden wach zu bleiben. Es hat sich gelohnt. Uns zeigt er seine besten Bilder vom Langstreckenklassiker. Im Fokus dabei: Natürlich der 911.

Porsche GT Team RSR #92

Teamfoto Porsche

»Das war am Dienstag vor dem Rennen, kurz nach dem Shooting für das Porsche Team. Die Wetterbedingungen waren am Anfang schön: stark bewölkt, aber warm. Regnen sollte es nicht. Gegen Ende vom Shooting hat es dann entgegen der Vorhersage angefangen zu regnen – immer stärker, bis es dann richtig herunterprasselte. Man war in zwei Minuten komplett durchweicht. Das war echt krass, aber auch krass schön im Nachhinein.«

Gulf RSR #86

Scrutineering

»Für dieses Bild vom Scrutineering musste ich wirklich warten: Immer wieder stand jemand im Bild oder ist in die Pfütze gelaufen. Im Endeffekt habe ich 15 oder 17 Minuten gewartet, um ein möglichst freies Bild ohne Menschen zu haben. Manchmal muss man einfach geduldig sein, wenn man bestimmte Bilder im Kopf hat. Als ich den 911 und die Pfütze gesehen habe, wusste ich: Das passt richtig gut.«

Porsche GT Team RSR #91

Freies Training

»Dieses Bild wollte ich schon immer mal machen: Ich selbst nenne es ›Porsche-Frame‹. Der 911 ist perfekt durch das Porsche Werbebanner eingerahmt – das gehört einfach zusammen und passt ideal, finde ich.«

Porsche GT Team RSR #91

Freies Training

»Tiefstehende Sonne bei Mulsanne am zweiten Trainingstag: ein 911 an einer der schnellsten Stellen vom Kurs, kurz vor dem Anbremsen. Am Kreisverkehr geht es hier rechts weg, mit fast 300 Kilometern pro Stunde kommen die Autos hier an. Sie da mit einer offenen Blende scharf zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Höchsten Respekt an die Leute, die damals mit Film und ohne Autofokus trotzdem scharfe Bilder gemacht haben!«

Porsche GT Team RSR #92

Nachtqualifying

»Dieses Bild liebe ich total. Ein Porsche bei Nacht in der Ford-Schikane. Im Hintergrund sieht man die Tribünen, von allen Seiten Farben und Scheinwerfer – und das Auto ist nahezu perfekt ausgeleuchtet. Es ist echt super, dort zu fotografieren, denn man kann sich mehr oder weniger auf den Boden legen und andere Perspektiven als üblich einnehmen. So wird das Bild viel dynamischer.«

Porsche GT Team RSR #94

Rennen

»Samstag, die zweite Rennrunde: Ich war auf den Tribünen, weil ich andere Startbilder als gewöhnlich wollte. Mitzieher vor den Tribünen sieht man nicht oft, aber ich persönlich mag es sehr gerne. Im Fokus ist hier der 911 RSR vom ›amerikanischen‹ Porsche-Team in der Brumos-Lackierung. Eines der ersten Bilder vom Rennen überhaupt. Das Endergebnis gefällt mir brutal gut.«

Porsche GT Team RSR #92

Rennen

»Das war eine echte Geduldsprobe am Samstagabend, denn die Autos fahren nicht nur weg von mir, sondern auch in eine nicht einsehbare Kurve. Auch sonst: Zuerst wollte man mich nicht an die Stelle lassen, obwohl es eigentlich erlaubt ist. Dadurch habe ich auch den Sonnenuntergang, der effektiv nur 30 Sekunden ging, verpasst. Aber es hat sich gelohnt: Diesen Mitzieher mit dem Riesenrad macht kaum einer.«

Porsche GT Team RSR #93

Rennen

»Weil der Sonnenuntergang am Samstagabend ja eher bescheiden war, wollte ich unbedingt den Sonnenaufgang mitnehmen. Die Idee mit dem Dunlop-Bogen im Morgenlicht hatten aber auch andere, am Ende waren wir um die 50 Fotografen dort. Zuerst war es total bewölkt, aber plötzlich hat es innerhalb von zwei Minuten aufgerissen. Viele hatten da schon aufgegeben und waren weg – als das Licht dann kam, sind sie alle wieder zurückgerannt. Am meisten hilft in so einer Situation einfach: bleiben und darauf hoffen!«

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Marcel Langer